Kassel
Neujahrsempfang mit Dr. h.c. Johannes Gerster
Zum sechsten Mal konnte Manfred Oelsen als Vorsitzender der DIG Kassel die Gäste zum schon traditionellen Neujahrsempfang begrüßen. Mehr als 140 Mitglieder und Freunde der DIG hatten sich im Haus der Firma Plansecur eingefunden. Neben dem Oberbürgermeister der Stadt Kassel, Herrn Bertram Hilgen, dem Regierungspräsidenten Lutz Klein und dem Regierungsvizepräsidenten Dr. Werner Neusel waren in Vertretung des Landrats der Kreisbeigeordnete des Landkreises Kassel, Herr Karl Schäffer, der Stadtverordnetenvorsteher der Stadt Kassel, Herr Jürgen Kaiser, Staatsminister a.D. Hans Krollman sowie zahlreiche Stadtverordnete, Stadträtinnen und Stadträte erschienen, um den neuen Präsidenten der DIG, Herrn Dr. h.c. Johannes Gerster, kennen zu lernen.
In den Grußworten des Regierungspräsidenten und des Oberbürgermeisters wurden die Erwartungen auf klare und authentische Aussagen des neuen DIG Präsidenten deutlich. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Die Teilnehmer an der Veranstaltung wurden nicht enttäuscht!
In beiden Grußworten wurde zugleich die Arbeit der DIG Kassel gewürdigt. Oberbürgermeister Hilgen wünschte sich die Mitarbeit der DIG bei der angestrebten Intensivierung der Zusammenarbeit mit der Partnerstadt Ramat Gan, die er im November 2006 besuchte. Regierungspräsident Klein wies sich in einigen persönlichen Anmerkungen als begeisterter Israelbesucher aus und stellte dienstlich fest, dass das Regierungspräsidium in Kassel landesweit für die Förderung von Kontakten nach Israel zuständig sei.
Da die Sachbearbeiter anwesend waren, konnten erste Kontakte geknüpft werden.
Dr. Johannes Gerster brachte in seiner Einleitung zum Ausdruck, dass er gerne nach Kassel gekommen sei. Die nötigen Vorabsprachen waren bereits bei der Wahl von Herrn Gerster zum Präsidenten der DIG in Baden-Baden getroffen worden. Er betonte, dass die AG Kassel zwar zahlenmäßig nicht die größte Arbeitsgemeinschaft in der DIG sei, aber, wie die Veranstaltung zeige, aufgrund der guten Kontakte zu den Parteien und Vereinen in der Region Kassel eine feste Größe innerhalb der DIG. Dies werde auch durch die Teilnahme zahlreicher Mandatsträger, des Rabbiners der jüdischen Gemeinde und der Teilnahme befreundeter Gesellschaften an diesem Empfang sichtbar.
In seiner mitreißenden Rede gelang es Dr. Gerster, an zahlreichen Beispielen die schwierige Situation Israels als einziger Demokratie im Nahen Osten deutlich zu machen. Solange das Existenzrecht Israels nicht von allen garantiert sei, bleibe der Zustand des Landes und die Lage der Bürger im Alltag außerordentlich angespannt.
In insgesamt 9 Jahren als Leiter der Konrad Adenauer Stiftung in Jerusalem konnte er intensive Kontakte zu Israelis und Palästinensern aufbauen und an zahlreichen Initiativen und politischen Bemühungen zur Beilegung akuter Krisen und Konflikte mitwirken. Zu einer dauerhaften politischen Lösung sei es bisher nicht gekommen, weil zwischen den Konfliktparteien großes Misstrauen herrsche und das Existenzrecht Israels nicht von allen Beteiligten anerkannt werde. Für die Zuhörer wurde erkennbar, dass dieser ungelöste Konflikt einer dringenden Lösung bedarf und unsere volle Aufmerksamkeit verdient. Herr Dr. Gerster wünschte sich bezüglich der Berichterstattung über Israel eine ausgewogenere Darstellung der Situation. Dass nahezu 1 Mio. Israelis während des Krieges mit der Hisbollah im Jahre 2006 den Norden Israels vorübergehend verlassen mussten, fand in Deutschland kaum Erwähnung. Über die täglichen Raketenangriffe in der Nähe zum Gazastreifen und im Norden Israels vor Ausbruch des Krieges wurde in Deutschland nicht angemessen berichtet. Dass man eine Demokratie kritischer beobachtet und beurteilt, sei verständlich. Es sei aber dringend notwendig, die Lage Israels objektiv zu beurteilen, dabei sei Kritik an der Politik, den Handlungen oder Verfehlungen der politischen Führung durchaus möglich.
Es gab viel Beifall für Dr. Gerster. Beim anschließenden Empfang bot sich die Gelegenheit zum Gespräch. Dass Dr. Gerster dabei im Mittelpunkt stand, muss nicht besonders betont werden.
Wolfgang Caspar