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Arbeitsgemeinschaft Nürnberg-Mittelfranken

„Der Traum vom Kibbuz ist noch nicht ausgeträumt“
Daniel Dagan in Nürnberg und Fürth

Mit regem Interesse verfolgten die Zuhörer in Nürnberg die Ausführungen zu Gegenwart und Zukunft der Kibbuzim aus berufenem Munde, dem des Kibbuznik und seit langen Jahren Stimme Israels aus Berlin: Daniel Dagan. Der Deutschland-Korrespondent der führenden öffentlich - rechtlichen Radio & TV Anstalt Israels studierte Politik und Volkswirtschaft und war Mitbegründer der Bonn International School. Seine Beiträge erschienen in Herald Tribune, Handelsblatt, Die Zeit, Le Monde, Der Tagesspiegel, El Mundo und anderen führenden Medien.

Einen Teil der Antworten hatte er in einem vorab der Nürnberger Zeitung (NZ) gegebenen und veröffentlichten Interview formuliert:

NZ: Herr Dagan, heute leben gerade mal noch drei Prozent der Israelis im Kibbuz. Ein Teil der Kibbuzim ist inzwischen so umgestaltet, dass kapitalistische Prinzipien die Oberhand gewonnen haben. Ist nach 100 Jahren der Traum vom Kibbuz ausgeträumt?

Dagan: Nein, der Traum ist weiter da. Und glücklicherweise ist auch der Wille von manchen Menschen weiter vorhanden, die Prinzipien der Solidarität und des starken Zusammenhalts so weiter zu praktizieren. Es kommt zum großen Teil darauf an, ob die Menschen zueinander Vertrauen haben und daran glauben, dass die anderen das auch wollen.

NZ: Wie viel hat ein Kibbuz heute noch mit der ursprünglichen Idee zu tun?

Dagan: Das kommt sehr auf den einzelnen Kibbuz an. Es gibt derzeit etwa 220 Kibbuzim. Davon ist ungefähr die Hälfte privatisiert worden. Diese Gemeinschaften haben, so sagen es jedenfalls die Kritiker, ihren ursprünglichen Charakter verloren. Dennoch behalten sie den Rahmen, manche Prinzipien, die Grundidee bei. Darüber hinaus gibt es aber auch viele Kibbuzim, die die ursprünglichen Ideen noch umsetzen. Allerdings haben sie sehr wohl einige Elemente an die modernen Lebensrealitäten angepasst. So arbeiten viele Mitglieder zum Beispiel längst außerhalb und kehren abends zurück. Ganz entscheidend ist auch, dass die jungen Leute inzwischen frei sind, nach der Schule die Welt zu erkunden und später in den Kibbuz zurückzukehren – wenn sie das wollen. Früher wurden junge Menschen, die die Gemeinschaft verlassen haben, fast als Verräter betrachtet. Heute unterstützt man sie. Das, was früher als einengend empfunden wurde, ist heute weitgehend reformiert.

NZ: Sie selbst sind in Ägypten geboren und im Alter von sechs Jahren in den Kibbuz Mishmar Ha-Emek in Nordisrael gekommen. Wie hat die Zeit im Kinderhaus statt bei den Eltern und das Prinzip des „Wir-Denkens“ statt der „Ich-Orientierung“ Ihr Leben geprägt?

Dagan: Ich habe daraus sehr viel für mein Leben mitgenommen. Und mein Kibbuz gehört glücklicherweise auch zu denen, die sehr nahe an ihren Idealen bleiben konnten. Das hat wiederum viel damit zu tun, dass er dank einer innovativen und weltweit exportierenden Kunststoff-Industrieanlage ökonomisch sehr erfolgreich war und immer noch ist. Die Idee war, dass sich der Mensch am besten in der Gruppe entfalten kann. Dadurch hatte ich schon als Kind die Möglichkeit, unterschiedlichen Menschen sehr offen und sehr direkt zu begegnen. Es gab keine Barrieren – auch nicht zwischen den verschiedenen Altersgruppen. Und, was in der heutigen Gesellschaft allgemein ein wenig verloren gegangen ist: Im Kibbuz spielt das Solidaritätsgefühl eine ganz entscheidende Rolle. Das erfährt man von Kindesbeinen an. Und auch die Neugier, die man als Kind im Kibbuz lernt, bleibt einem ein Leben lang erhalten.

Und diese lebenslange Neugier versuchte der Heinrich - Heine - Liebhaber am folgenden Tag bei rund einhundert Schülern der 13. Klasse im Helene - Lange - Gymnasium in Fürth zu wecken. Nach einstündigem Vortrag aus einem Journalistenleben als Israeli in der Bundesrepublik beantwortete der mit seiner Familie aus einem arabischen Land Geflüchtete geduldig die Fragen zu Iran, Atomgefahr, Zweistaatenlösung und den Beziehungen zwischen Israel und Deutschland.

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Heribert Schmitz


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