Home    Links    Kontakt    Impressum

Arbeitsgemeinschaft Berlin

„Die Friedenskämpfer” – Baruch Spiegel und Mansour Abu Rashid zu Gast in Berlin

Am 1.11.2011 gab es eine Premiere: Erstmals fand eine gemeinsame Veranstaltung von DIG Berlin/Potsdam und Jüdischer Volkshochschule (JVHS) in der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) statt. Kein Ort schien dafür besser geeignet. Dr. Sylke Tempel, bei der DIG hochgeschätzt und als Chefredakteurin der von der DGAP herausgegebenen Zeitschrift „Internationale Politik“ (IP) zugleich Gastgeberin, erklärte sich sofort bereit, die Moderation zu übernehmen. Als Hausherr sprach der Stv. Präsident Paul Freiherr von Malzahn ein Grußwort.

Angeregt durch einen Zeitungsartikel über „Die Friedenskämpfer“ Mahmoud Abu Rashid und Baruch Spiegel war es Sigalit Meidler-Waks, Leiterin der JVHS, gelungen, den jordanischen und israelischen General nach Berlin zu holen. Einst Kriegsgegner, sind die beiden seit langem Freunde und engagieren sich in Friedensprojekten. 1992 wurden der Chef des jordanischen Nachrichtendienstes und Sicherheitsberater von König Hussein und der Oberbefehlshaber der Golani-Brigaden von Ministerpräsident Yitzhak Rabin mit der Aufgabe betraut, die Waffen niederzulegen und einen Frieden auszuhandeln – für beide die größte Herausforderung ihres Lebens. Nach jahrelangen Grenzstreitigkeiten schien die Zeit dafür reif. Ihre erste Begegnung fand unter UN-Flagge auf einer Brücke über dem Yarmuk statt, einem Seitenarm des Jordans. Es ging um Wasser – die knappste und umstrittenste Ressource im Nahost. 1994 waren Spiegel und Al Rashid dabei, als im Garten des Weißen Hauses der historische Handschlag zwischen Yitzhak Rabin und König Hussein stattfand und der Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien unterzeichnet wurde.

Baruch Spiegel, Dr. Sylke Tempel, Mahmoud Abu Rashid

Das exzellent moderierte Podiumsgespräch zeigte: Es ist möglich, Vorurteile und Feindbilder zu überwinden, wenn man sich von Mensch zu Mensch begegnet, die Wellenlänge stimmt und dieselbe Sprache spricht, was Generäle offenbar besonders gut können. Für beide ist gegenseitiges Vertrauen die wichtigste Voraussetzung für Verständigung. Sie sind stolz auf das Erreichte, allerdings wäre es ohne Persönlichkeiten wie König Hussein und Yitzhak Rabin schwieriger gewesen. Zu ihrem ersten Treffen hatte Baruch eine Avocado mitgebracht, die inzwischen auch in Jordanien erfolgreich angebaut werde, so sein Freund Mansour. Mittlerweile gebe es Kooperationen in den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt und High Tech, auch gemeinsam mit Palästinensern.

Trotz ähnlicher Visionen gab es auch unterschiedliche Sichtweisen. Bei Spiegel, Kind von Shoah-Überlebenden, dominierte die Sorge um Israels Sicherheit angesichts der fatalen Rolle des Iran in Nahost und der unabsehbaren Folgen der Umwälzungen in der arabischen Welt. Angesprochen auf die UN-Initiative von Palästinenserpräsident Abbas wurden die Gegensätze deutlicher. Während sich der Israeli überzeugt zeigte, dass unilaterale Schritte zum jetzigen Zeitpunkt „kontraproduktiv“ seien und den Dialog eher verhinderten, befürwortete der Jordanier die Initiative – schon „wegen der zentralen Rolle Jerusalems“. Israel müsse in der Siedlungsfrage endlich nachgeben, es werde nur Ruhe in die Region einkehren, wenn der israelisch-palästinensische Konflikt gelöst sei.

Der Empfang zeigte, dass wir beim offiziellen Teil des Abends viele spannende Geschichten verpasst hatten, die Kopf und Herz der beiden Referenten bewegen. Glücklich die, die sie noch hören konnten.

Meggie Jahn

 
|   Zurück  |   Aktuelles  |   Archiv  |   Zum Seitenanfang  | 
 
 

© Copyright 2003-2012 Deutsch-Israelische Gesellschaft e.V. * last update: 14.01.2012