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DEN ARBEITSGRUPPEN: Rhein-Neckar, Mannheim
THEMA: Freundschaftsvertrag zwischen Mannheim und Haifa
Es war Sympathie auf den ersten Blick zu spüren, als sich die Oberbürgermeister Mannheims und Haifas, Gerhard Widder und Yona Yahav,
begrüßten und ihre Städte vorstellten. Sie fanden eine Menge Gemeinsamkeiten und Parallelen zwischen Mannheim und Haifa. Am Abend des
6. Juni 2005 unterzeichneten Widder und Yahav im Mannheimer Ratssaal in festlicher Stimmung musikalisch umrahmt und im Beisein
zahlreicher Prominenz einen Freundschaftsvertrag zwischen Mannheim und Haifa. Am Mannheimer Rathaus wehte die israelische Fahne.
Es war ein langer Weg bis zur Unterzeichnung des Freundschaftsvertrags. Am Anfang stand der Schüleraustausch zwischen dem einstigen
Tulla-Gymnasium, dann Elisabeth- und Lessing-Gymnasium, mit der Gesamtschule in Kiryat Haim (Haifa). Die Mannheimer Lehrerin Margot
Neuberg und Schulleiter Dr. David Goshen aus Kiryat Haim haben diesen Austausch vor 21 Jahren eröffnet und unermüdlich daran
festgehalten - ungeachtet mancher Hindernisse während der ersten und zweiten Intifada. Unterstützt wird die Schulpartnerschaft
intensiv von der DIG AG Mannheim/Rhein-Neckar.
Gerhard Widder meinte, dies sei für Mannheim "ein wichtiger und stolzer Tag", Haifa als Freund und Partner gewonnen zu haben.
Beide Städte seien tolerant, liberal, pluralistisch und weltoffen. Widder erinnerte aber auch an die dunkelsten Kapitel der
deutschen Geschichte: die Ausgrenzung, Demütigung, Vertreibung und Ermordung auch der Mannheimer Juden in der Zeit des Nazi-Terrors.
Viele ehemalige Mannheimer Juden hätten damals in Haifa eine Zuflucht und neue Heimat gefunden. Hochachtung und Dank spricht er allen
aus, die nach der NS-Diktatur trotz allen erfahrenen Leids zu einem Neuanfang bereit waren.
"Es gibt keinen besseren Weg Verständnis aufzubauen als einen regen Austausch", erklärte Widder und fügte hinzu, solche
Freundschaftsverträge würden zwar zwischen Rathäusern geschlossen, gelebt würden sie aber von Menschen. Viele Mannheimer
hätten ihm ihre Freude über den nun zustande gekommenen Freundschaftsvertrag mit Haifa mitgeteilt. Aber ohne die Bereitschaft
Yona Yahavs wäre dies wohl nicht geschehen.
Yona Yahav, dessen Vater aus Köln stammte, bekannte sehr bewegt, dass er als Jugendlicher sich einmal geschworen hatte,
nie und nimmer deutschen Boden zu betreten. Denn seine Kindheit sei von dem Grauen der Shoah geprägt gewesen. 60 Jahre nach
Kriegsende und 40 Jahre seit der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel. Zahllose schlaflose
Nächte sei er hin und her gerissen gewesen. Doch dann sprach er von einer "Lebensentscheidung für uns beide". Im Zeichen der
Verständigung betrat er zusammen mit seiner Frau Rivka Jahav und seinem Berater für Sonderprojekte, Dr. Rafi Karpel, erstmals
deutschen Boden. "Heute stehe ich vor Ihnen, und zum ersten Mal in meinem Leben auf deutschen Boden, als Bürgermeister Haifas,
als Abgesandter ihrer 270.000 Einwohner, einer Gemeinde, die auf einer Insel der Vernunft im Ozean des nahöstlichen Chaos lebt",
sagte er und - er fühle sich "unter Freunden".
Yahav schilderte dann die Schönheit und Errungenschaften seiner Stadt mit zahlreichen Museen, einem hervorragenden
Symphonieorchester, einem städtischen Theater, einer Universität und dem Technion sowie einer umfangreichen Hightech-Industrie.
Das Festival "Junge Künstler und ihre Werke" sei so erfolgreich gewesen, dass Yona Yahav den Entschluss fasste, das Festival
als internationales Ereignis abzuhalten, zu dem Schüler aus allen Partnerstädten Haifas eingeladen werden sollen.
Haifas Oberbürgermeister sprach vom friedlichen Zusammenleben der Juden, Muslime und Christen in seiner Stadt, die nach
Nazareth den größten arabischen Bevölkerungsanteil - etwa 40.000 - hat. Das Fundament hierzu sei selbst durch arabischen
Terror nicht ins Wanken gebracht worden. Juden und Araber würden gemeinsam nach den Selbstmordattentaten leiden. Niemals
seien Anschuldigungen gegen arabische Einwohner Haifas laut geworden. Yona Yahav glaubt fest daran, dass der Frieden,
wenn er kommt, sich nach dem "Haifaer Modell" gestalten wird.
Mannheim und Haifa leisten mit der Aufnahme freundschaftlicher Beziehungen einen Beitrag zur deutsch-israelischen
Verständigung, heißt es in dem Vertrag. Die Bürgerschaften beider Städte sollen sich kennen lernen, Verständnis füreinander
finden, freundschaftliche Verbindungen knüpfen in allen wichtigen Bereichen des gesellschaftlichen und kommunalen Lebens.
Und daran sind schon viele interessiert wie Johannes Barth, der Vorsitzende der DIG Rhein-Neckar, und Orna Marhöfer, die
Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mannheims, berichteten. Es liegt nun auch an den Aktionen und Reaktionen in Haifa,
wie intensiv die Sache mit Leben ausgefüllt wird und die Kontakte auf eine möglichst breite und bürgernahe Ebene gestellt werden.
Johannes Barth
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