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AUS DEN ARBEITSGRUPPEN: Kassel

THEMA: Hadassah ist … Hadassah!

Auf die Frage, was das Besondere am Hadassah-Hebrew University Medical Center sei, antwortete die deutsche Pfarrerin Dr. Petra Heldt am Ende eines bewegenden Vortrages im Hadassah Krankenhaus nach kurzem Nachdenken: "Hadassah ist … Hadassah!"
Der Besuch im berühmten Krankenhaus, in den Bergen um Jerusalem gelegen, bekannt für seine überragenden medizinischen Leistungen, geöffnet für Israelis und Palästinenser, gehörte zu den absoluten Höhepunkten der Israelreise von 30 Teilnehmern aus Kassel und Umgebung.
Auf Vermittlung von Yoram Ehrlich war es möglich, mehrere Stunden unter freundlicher Führung von Frau Anna Marie Agmon nicht nur das Krankenhaus von außen und innen zu erleben, die berühmten Chagall Fenster in der Synagoge zu besichtigen und den eindrucksvollen Neubau des Mutter- und Kindzentrums, gestiftet von der Mutter des Bürgermeisters von New York und Gründers des Senders Bloomberg TV, zu sehen. Wir wurden vielmehr auch durch Frau Dr. Heldt und den Anästhesisten Alexander Avidan über die Arbeitsweise des Krankenhauses und die besonderen Herausforderungen informiert.
Hadassah ist Schwerpunktkrankenhaus für den Raum Jerusalem einschließlich der palästinensischen Gebiete in Katastrophenfällen und bei der Behandlung von Opfern nach Terroranschlägen.
Der Oberarzt Alexander Avidan, in der Schweiz geboren, mit 14 Jahren nach Israel ausgewandert, Vater von Drillingen und mit Leib und Seele Arzt am Krankenhaus, schilderte die Arbeit der ca. 800 Ärztinnen und Ärzte in Hadassah. Mit seinen 800 Betten und 75 Abteilungen hat das Krankenhaus ein breites Spektrum medizinischer Versorgung abzudecken. Am Beispiel der Aufgaben der Trauma-Station und der medizinischen Erstversorgung nach schweren Unfällen und verheerenden Attentaten, wurde die Bewältigung von Extremsituationen, die leider in Israel häufiger sind als wir in Europa mitbekommen, aufgezeigt.
Die Belastungen für die Opfer und deren Angehörige stellen das Personal vor außerordentliche Herausforderungen. Frau Dr. Heldt war selbst Opfer eines Terroranschlages mit 19 Toten, bei dem sie schwerste Verbrennungen erlitt. Die Schilderungen ihrer Einweisung ins Hadassah Krankenhaus, die Beschreibung der ersten Stunden, die sie bei vollem Bewusstsein im allgemeinen Chaos von mehr als 200 Schwerstverletzten erlebte, vermittelte die Besonderheit des Krankenhauses. Persönlich empfundene Zuwendung und die unmittelbare Bereitschaft der Mitarbeiter, auf verzweifelte Angehörige einzugehen, gehören zum Alltag. So wird der Prozess der Stabilisierung des Zustandes der Patienten erreicht..
Frau Dr. Heldt wurde gemeinsam mit einer Ägypterin und einem jungen Palästinenser für lange Zeit medizinisch betreut. Alle waren Opfer des Anschlages. Der Junge wollte seine Sympathien für die Attentäter nicht verbergen. Der langwierige, gemeinsam erfahrene Heilungsprozess reichte nicht aus, sich nach der Genesung erfolgreich zu treffen. Das Treffen fand statt und scheiterte.
Alexander Avidan wies in seinem Beitrag auf die weltweit anerkannten medizinische Erfahrungen auf dem Gebiet der Hauttransplantation und der Traumabehandlung hin.
In der Erstversorgung von Patienten wird kein Unterschied zwischen Opfern und Tätern gemacht, wie beide Gesprächspartner betonten. Diese Einstellung des Krankenhauses stößt nicht immer auf Verständnis. Wie stark sich die beruflichen Herausforderungen häufig mit dem Alltagsverhalten mischen, wie sich Stresssituationen auf den Alltag übertragen, darauf hat Alexander Avidan hingewiesen.
In der Wahrnehmung permanenter Sicherheitskontrollen, beim Öffnen der Taschen vor dem Zentralpostamt, dem Supermarkt, vor dem Betreten eines Restaurants oder bei der Auswahl eines Sitzplatzes im Linienbus spiegeln sich die Sicherheitsbedürfnisse wider. Die Kontrollen müssen sein, davon waren alle Gesprächspartner überzeugt.

Wolfgang Caspar


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