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DEN ARBEITSGRUPPEN: Kassel
THEMA: Internationaler Kongress „Franz Rosenzweigs neues Denken"
Anlässlich des 100. Geburtstages des jüdischen Religionsphilosophen Franz Rosenzweig
am 25.12.1986 trafen sich Wissenschaftler aus aller Welt vom 7. bis 11. Dezember 1986
in seiner Geburtsstadt Kassel zu einem internationalen Franz Rosenzweig Kongress.
Damalige Themenschwerpunkte waren u. a. „Rosenzweig und die Religionsphilosophie,
Franz Rosenzweig und die christlich jüdische Gemeinschaft, Franz Rosenzweig und das
Neue Lernen" usw.. Viele Teilnehmer des damaligen Kongresses kamen auch in diesem Jahr
zum internationalen Kongress „Franz Rosenzweigs neues Denken“ nach Kassel. Die DIG
Kassel leistete mit Einwerbung von Spenden einen bescheidenen Beitrag. Dankbar sind
wir dem Initiator des Kongresses, unserem Mitglied Herrn Prof. Dr. Wolfdietrich Schmied
Kowarzik, „dass er Rosenzweig in seine Heimatstadt zurückgeholt hat“ wie Herr Prof. Dr.
Leonard H. Ehrlich in seinem Eröffnungsvortrag feststellte. Den nachstehenden Bericht
über den diesjährigen Kongress hat Herr Dr. Frank Hermenau verfasst. An dieser Stelle
herzlichen Dank dafür.
Das Werk des jüdischen Religionsphilosophen Franz Rosenzweig (1886 1929) stand im
Mittelpunkt eines Kongresses, der vom 28. März bis zum 1. April an der Universität
Kassel stattfand. 90 Referenten und 250 Teilnehmer aus insgesamt 20 Ländern zeigen
ein weltweites Interesse für Franz Rosenzweig, der zu seiner Zeit eine Erneuerung
des Judentums in der Moderne in den Mittelpunkt seines Denkens und auch seines Lebens
stellte, verzichtete er doch auf eine Universitätskarriere, um mit der Gründung des
Freien Jüdischen Lehrhauses in Frankfurt und der Arbeit an der Neuübersetzung der
Bibel – gemeinsam mit Martin Buber –diese Erneuerung voranzutreiben. In der
Diskussion, aber auch in Abgrenzung zu seinen christlichen Gesprächspartnern,
wurde Rosenzweig deutlich, dass ein interreligiöser Dialog nur möglich wird,
wenn er nicht durch Selbstpreisgabe erkauft ist. Unter den Bedingungen der
Diaspora und der Moderne ein kulturelles und religiöses Selbstbewusstsein zu
behaupten, dem Sog der nivellierenden Gesellschaft der Moderne sich
entgegenzustellen: diese Haltung – und die brillante philosophische und
kulturkritische Formulierung dieser Position in seinen Werken – mag erklären,
warum Rosenzweig heute noch oder wieder als ein aktueller Autor wahrgenommen wird.
Lange Zeit war sein Werk aber fast vergessen, nur kleinen Kreisen sagte der
Name Rosenzweig noch etwas. Einen ersten Anstoß zur erneuten Rezeption des in
Kassel geborenen und aufgewachsenen Religionsphilosophen gab der erste
internationale Rosenzweig Kongress in Kassel 1986. Seitdem sind verschiedene
Zentren der Forschung entstanden – in den USA, in Israel, in Frankreich, in
Italien, den Niederlanden und Deutschland – mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Steht für die einen seine besondere Position im christlich jüdischen Dialog im
Mittelpunkt, interessieren sich andere stärker für das jüdische Denken bei
Rosenzweig und für wiederum andere ist sein Philosophieren unabhängig von der
religiösen Rezeption von Bedeutung. Diese Vielfalt der Rezeption spiegelte sich
auch auf dem Kongress wider: nicht die Einheitlichkeit der Verehrung eines Denkers,
sondern die Pluralität der Anknüpfungen machten den Kongress zu einer lebendigen
und fruchtbaren Veranstaltung, zu der neben sehr renommierten Forschem und
Übersetzern auch viele jüngere Wissenschaftler aus aller Welt kamen.
Begleitet wurde der Kongress von zwei Ausstellungen, Empfängen und einem Konzert
im Rathaus der Stadt und damit war er nicht nur eine inneruniversitäre Veranstaltung.
Grußworte des Bundespräsidenten Dr. Johannes Rau, von Bischof Dr. Martin Hein und
der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Kassel, Esther Haß, unter anderem machen
deutlich, dass dieser Kongress in einem ungewöhnlichen Maße auf ein öffentliches
Interesse stieß. Die nun in Kassel neu gegründete Internationale Rosenzweig
Gesellschaft, zu deren erstem Präsidenten der Initiator und Organisator des
Kongresses, der Kasseler Philosoph Wolfdietrich Schmied-Kowarzik, gewählt wurde,
hat es sich zur Aufgabe gemacht, die unterschiedlichen Forschungen zu Rosenzweig
zu verknüpfen und zu fördern.
Einen ausführlichen Tagungsprospekt mit allen Referenten und Vortragsthemen,
weitere Informationen zu Franz Rosenzweig sowie zur Internationalen Rosenzweig
Gesellschaft finden Interessierte unter www.rosenzweig gesellschaft.org.
Frank Hermenau
Heidrun Goebel Feußner
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