| AUS
DEN ARBEITSGRUPPEN: Augsburg-Schwaben
Israel-Tage
der besonderen Art
von
Gernot
Römer
Mit
"Israel-Tagen" der besonderen Art hat die Augsburger
Arbeitsgemeinschaft sich erstmals am Friedensfest 2003 beteiligt.
Dieses erinnert jeweils am 8. August an den Augsburger Religionsfrieden
von 1555 zwischen Katholiken und Lutheranern und beschert
den Fuggerstädten Jahr für Jahr einen zusätzlichen
Feiertag. Wir haben aus diesem Anlass weder Diplomaten noch
Festredner über die Chancen der Roadmap sprechen lassen.
Vielmehr haben wir nicht weniger als fünf israelische
Frauen und zwei Männer eingeladen, die sich in ihrem
Alltag tatkräftig für den Frieden in Nahost einsetzen:
jüdische, moslemische, christliche. Zum Beispiel:
+ die arabische Israelin Kifah Massarwi, die Begegnungen zwischen
jüdischen und arabischen Jugendlichen organisiert;
+ die jüdische Israelin Adi Frish und die arabische Israelin
Shireen Najjar, die im Dorf Neve Shalom mit mehr als 20 anderen
Familien täglich "den Frieden leben";
+ die Professorin Tova Rosen, die der Versöhnungsaktion
Taayush angehört und sich an der Universität Tel
Aviv für arabische Studenten engagiert, sich aber auch
Bulldozern in den Weg stellt, die ein palästinensisches
Haus abreißen
wollen;
+ Georg Deek, einen christlichen Araber, der u.a. eine Internetseite
der Koexistenz widmet.
Wenn die Medien aus Nahost berichten, dann ist fast immer
der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern der
Anlass. Uns ging es darum, glaubwürdige Bürgerinnen
und Bürger aus dem Heiligen Land bekräftigen zu
lassen, was auch Umfragen stets ergeben: dass nämlich
die Mehrzahl der Menschen in Israel Frieden und ein friedliches
Nebeneinander herbeisehnt. Mehr noch: Unsere Gäste gehören
zu jenen Israelis, die nicht nur von Frieden reden und die
Arbeit dann
Politikern überlassen, sondern die selbst etwas für
den Frieden zu tun versuchen - und die insofern auch Vorbilder
für jeden Bürger anderer Länder sein können,
unseres inbegriffen.
"Es gibt Wege zum Frieden in Nahost" war das Motto
unserer Israel-Tage. Wir wollten insbesondere junge Menschen
erreichen. Natürlich haben wir auch zwei öffentliche
Veranstaltungen organisiert (von denen eine ausschließlich
dem
Dorf Neve Shalom gewidmet war). Aber die meiste Zeit haben
"unsere Israelis" in Gymnasien in Augsburg, Neusäß
und Friedberg verbracht. Großartig, wie schnell da jeweils
"Funken übersprangen" und auch anfangs weniger
interessiert
scheinende Schülerinnen und Schüler zu fragen und
zu diskutieren begannen. Das hatte zweifellos auch damit zu
tun, dass unsere Gäste jung und damit für junge
Menschen besonders glaubwürdig waren - und dass wir versucht
haben, je eine Person jüdischen Glaubens und je eine
moslemische bzw. christliche gemeinsam in die Klassen zu schicken.
Insgesamt 600 Schülerinnen und Schüler dürften
wir auf diese Weise für Israel und Nahost interessiert
haben.
Einer unserer sieben Gäste war übrigens - ein DJ.
Solly Soama hieß der junge Mann aus dem Kibbutz Gan
Shmuel und er legte abends in Augsburg zweimal Platten auf.
Ihn hatten wir eingeladen, um deutlich zu machen, dass junge
Menschen auch in Israel "ganz normal leben" und
- wie hierzulande - beispielsweise abends in Discotheken gehen,
um ihre Musik zu hören. Auch so erreichten wir die junge
Generation.
Sieben Israelis nach Augsburg zu holen und Israel-Tage dieser
Art zu organisieren, das war für uns nicht nur finanziell
ein Kraftakt. Wir hätten das nicht ohne unser Mitglied
Brigitte Stegherr geschafft. Sie hat zwei Jahre ihres jungen
Lebens in Israel verbracht und kannte die Wege zu den Frauen
und Männern, die dann unsere Friedenstage bestritten.
Sie vor allem verdient Dank dafür, dass diese Israel-Tage
möglich waren und dass das Bild, das vermutlich auch
in Augsburg viele Menschen von Israel hatten, objektiver und
gerechter geworden sein dürfte.
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