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DEN ARBEITSGRUPPEN: München
THEMA: 30-jähriges Jubiläum der DIG München
Am 8. Mai 2006 feierte die DIG München mit einem Veranstaltungspaket ihr 30-jähriges Jubiläum: mit einem Schülergespräch
mit dem Botschafter des Staates Israel, S.E. Shimon Stein, und dem Staatssekretär für Kultus und Erziehung, Karl Freller,
in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, einer Konferenz der Deutsch-Israelischen
Wirtschaftsvereinigung e.V. (DIW) am Nachmittag sowie am Abend dem 30-jährigen Jubiläum der DIG München selbst.
Am Schülergespräch im Alten Rathaussaal nahmen mehr als 300 Schüler verschiedener Gymnasien aus ganz Bayern teil -
gut vorbereitet mit Fragen, z.B. zum Attentat auf das King-David-Hotel in Jerusalem 1946, zum Nuklearwaffenarsenal
Israels, dem Sinn des Sicherheitszauns. Fragen, die der Botschafter S.E. Shimon Stein akribisch beantwortete.
Erfreulich war das Presseecho, selbst die Süddeutsche Zeitung berichtete.
Botschafter Stein war beeindruckt von diesem Schülergespräch. Es mache ihm Mut für die Zukunft. Die Schulreferentin
Elisabeth Weiß-Söllner (SPD) und der Staatssekretär des bayerischen Staatsministeriums für Kultus und Unterricht,
Karl Freller (CSU), konzentrierten sich auf die Schüleraustauschprogramme und boten allen Schulen Hilfestellung zur
Kontaktaufnahme an.
Am Nachmittag eröffnete Horst Teltschik zusammen mit dem Botschafter des Staates Israel S.E. Shimon Stein die hochkarätig
besetzte Tagung der DIW. Warren Buffet zitierend, der soeben die israelische Firma Iscar (Produktion von
Hartmetallwerkzeugen, gegründet von Stef Wertheimer, der aus Karlsruhe stammt) für rd. 4 Mrd. US-$ gekauft hatte:
"Es gibt Risiken auf der Welt, es hat immer Risken gegeben ... Israel kann sich damit besser auseinandersetzen als andere."
Welch hohe Anerkennung für Israel!
Zwar gebe Israel 13,5 % seines BIP für Verteidigung aus - Deutschland derzeit nur 1,5 % -, was allerdings auch positive
Seiten habe: Israel sei dadurch wie die USA getrieben, immer "on the edge" zu sein - gerade auch technologisch wie
beispielsweise im IT-Bereich. Israel gebe deshalb rd. 4,5 % seines BIP für Forschung und Entwicklung aus und kann den
höchsten Bevölkerungsanteil an Technikern und Ingenieuren weltweit vorweisen.
Mit 123 Mrd. USD (was 17.900 USD pro Kopf entspricht) lag das israelische Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2005
höher als das aller Nachbarländer zusammen - wie auch der Leiter von DaimlerChrysler für die Region Nahost und
Präsident der Deutsch-Israelischen Handelskammer, Godel Rosenberg betonte. Der PKW-Markt sei trotz einer Einfuhrsteuer
von 100% (!) größer als in Dänemark, Finnland oder Norwegen. Und im 1.Quartal 2006 lag Israel beim Erhalt von Venture
Capital auf Platz 3 unter allen Ländern dieser Erde. Staatssekretär Hans Spitzner, langjähriger Freund Israels, machte
dabei ebenso auf die verstärkten Kooperationen zwischen Unternehmen aus Bayern und Israel aufmerksam. Denn Israel ist
wie Deutschland ein Land ohne Ressourcen. Israels Potentiale liegen in Wissen und Bildung und damit im Bereich
wissensbasierter Anwendungen und Entwicklungen. Israel ist heute nach den USA die Nr. 2 beim Gründen von Start
up's und die Nr. 1 im Bereich Investitionen in den IT-Sektor. Übrigens: das erste Handy von Motorola wurde in Israel
entwickelt - und der erste Computer-Tomograph von General Electric ebenso.
Am Abend eröffnete die Vorsitzende Shimrit Härtl als Höhepunkt des Tages das 30-jährige Jubiläum der DIG München mit der
Verleihung einer Ehrenmedaille an den Alt-OB Dr. Hans-Jochen Vogel, der einer der profiliertesten Gründungsmitglieder der
DIG und der AG München ist. Nachdem die 2. Bürgermeisterin, Christine Strobl, der DIG München für ihr Engagement in ihrem
Grußwort dankte - durch uns konnte auch eine Kundgebung rechter Kameraden am selben Tag am Marienplatz verhindert werden -,
drückte der Präsident des Bayerischen Landtags uns seinen Dank aus für den Brückenschlag nach Israel auch in schwierigen
Zeiten. Paul Spiegel, dem gedacht wurde, habe hier einen großen Beitrag für das Verständnis für Israel geleistet -
dennoch gelte es wachsam zu sein. Der Bau der Neuen Synagoge am Jakobsplatz in München zeige, dass die jüdischen
Bürger (wieder) Vertrauen in dieses Land gefunden haben. Der Staatssekretär Karl Freller, der für die bayerische
Staatsregierung sprach, betonte in diesem Zusammenhang, das die Arbeit der DIG wichtiger sei denn je: nach einer
aktuellen Studie glaube eine überwältigende Mehrheit der deutschen Schüler, Israel sei für die fragile Sicherheitslage
in der Region selbst verantwortlich.
Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, zeigt sich erschüttert,
dass so manche deutsche Politiker weiterhin diplomatische Beziehungen zu Israel pflegen und den iranischen Präsidenten
nach Deutschland einladen wollen. Dieser Mensch dürfe nicht nach Deutschland einreisen! Zu Herrn Dr. Hans-Jochen Vogel
gewandt meinte sie: Herr Dr. Vogel, Sie wissen nicht, wie wichtig es ist, einen Menschen wie Sie an seiner Seite zu haben!
Und: der Israeltag am Mittwoch zuvor auf dem Marienplatz war ein großes Fest für Israel - Ansporn und Vorbild zugleich!
Der Botschafter des Staates Israel gratulierte der DIG München dreifach: 1. zum 30-jährigen Jubiläum, 2. für die Israelwoche,
die die DIG als einer der Hauptorganisatoren durchführte, sowie 3. für die kluge Entscheidung, Dr. Hans-Jochen Vogel die
Ehrenmedaille zu verleihen. In seiner Laudatio betonte der Präsident der DIG, Prof. Manfred Lahnstein, dass wohl keine
Arbeitsgemeinschaft der DIG so eng mit der Jüdischen Gemeinde verbunden sei wie München. Und zu Dr. Hans-Jochen Vogel
gewandt, erinnerte er an Heinz Galinski, den Vorvorgänger Paul Spiegels, der zum 60. Geburtstag Hans-Jochen Vogels -
also vor 20 Jahren - über diesen schrieb: Sein Wesen sei charakterisiert durch das Zurücktreten der Person hinter das Werk,
denn durch das Werk trete die Person hervor. Er habe die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. Er habe großes
Verständnis für den Eifer der Jugend - nur die Eiferer seien ihm zuwider! Karl Popper meinte 1981 in seinen berühmt
gewordenen Vorträgen, die westliche Zivilisation sei die weiseste und beste Gesellschaft in der Welt - weil sie die
verbesserungsfähigste von allen sei. Hans-Jochen Vogel würde dazu sagen: solange sie die verbesserungsfähigste ist!
Die Verleihung der Ehrenmedaille sei eine Neuerung der DIG München, die exportfähig sei.
Verschmitzt merkte Dr. Hans-Jochen Vogel als letzter Redner an diesem Abend an, es sei nicht alles verkehrt gewesen,
was die Vorredner über ihn gesagt hätten. Er, der als 12-Jähriger die Synagoge 1938 brennen sah. Er, der als 20-Jähriger
in der Wehrmacht das Ende des 2. Weltkrieges miterlebte, der aber nach der Gefangenschaft seine Lehren aus den
ungeheuerlichen Unrechtstaten des nationalsozialistischen Regimes zog. Er, der 1991 in Tel Aviv den Angriff
irakischer Raketen im Luftschutzkeller miterlebte, der eine große Freundschaft zu dem damaligen Jerusalemer Bürgermeister
Teddy Kollek pflegte. Abschließend forderte er das Publikum auf: Nie wieder, nicht noch einmal - dem muss unsere ganze
Aufmerksamkeit gelten!
Begleitet wurde dieser würdige Abend von vier jungen Künstlern - zwei Brüdern (Bernhard und Georg Pfirsch mit Bratsche
und Geige, begleitet am Klavier von ihrem Vater) und zwei Schwestern (Ann-Kathrin und Valerie Schmelter am Klavier) -
die Bundessieger im Wettbewerb "Jugend musiziert" waren. Das Publikum bedankte sich mit Standing Ovations für die
Paganini-Variationen für zwei Klaviere, Arrival of the Queen of Sheeba von Georg F. Händel und den Ungarischen Tanz
No.1 von Johannes Brahms.
Dieter Mauch
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