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DEN ARBEITSGRUPPEN: Bonn
THEMA:Jugendaustausch im Schatten des Libanonkriegs 9.-23. August 2006 in Bonn
Zum siebten Mal fand im August in Bonn das deutsch-jüdisch-arabische Jugendprojekt
statt - während des Libanonkriegs. Je 10 jüdische und arabische Schüler der Highschools Amakim-Tavor und Iksal im
Norden Israels und 22 Deutsche - die meisten 15/16 Jahre alt - nahmen daran teil.
Am Tag des Abflugs wurde Oren Lifschitz, ein ehemaliger Schüler der Amakim-Tavor-Schule, der im Libanon gefallen war,
beerdigt. Der Nahostkonflikt, den wir als Thema für die Begegnung gewählt hatten, erhielt plötzlich eine Bedeutung, die
uns besonders berührte.
Orens Schwester Keren war im vorigen Jahr mit der Gruppe in Bonn.
Auf die Begegnung mit den Gästen aus Israel hatte sich die deutsche Gruppe in zwei Wochenendseminaren zum Nahostkonflikt
vorbereitet. Das versetzte sie in die Lage, deren Situation zu verstehen, obwohl sie nicht so existenziell betroffen waren
wie ihre israelischen Freunde und hier nur "ein Leben ohne Krieg" kennen, wie diese bemerkten.
Besonders beeindruckte die Jugendlichen der Besuch des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission in Brüssel
sowie der belgischen Holocaust-Gedenkstätte Mechelen/ Dossin. Ein Vortrag über die europäische Politik zum Nahostkonflikt
und zum Libanonkrieg in der Kommission führte zu einer lebhaften Diskussion. Lauren, einer jüdischen Schülerin, fiel auf,
dass die Deutschen sich daran kaum beteiligten. Vielleicht aus Angst, ihre Meinung zu sagen, oder weil sie zu wenig wussten,
fragte sie sich. Sie hält es aber für wichtig, dass die Deutschen dabei waren: "Wenigstens haben sie dabei erkannt,
wie viel oder wie wenig sie darüber wissen, und was sie aus Zeitungen und Nachrichten, die sie in Deutschland hören,
erfahren haben. Es ist bekannt, dass Israel darin keinen so guten Namen hat."
Zu dem Besuch in Mechelen/Dossin und der Gedenkzeremonie am Ende in drei Sprachen schreibt Sascha aus Bonn: "Es hat
mich wirklich gewundert, wie Juden und Christen diese Geschichte zusammen anhörten, und wie wir jetzt nach all' den
Ereignissen miteinander umgehen." Lukas fügt hinzu: "Wir redeten über den Holocaust und seine Folgen, über die
ehemalige gegenseitige Verachtung der beiden Völker. Von dieser merkt man in unserer Generation jedoch überhaupt
nichts mehr."
Wir hatten befürchtet, dass die Beziehungen zwischen den jüdischen und arabischen Schülern durch den Libanonkrieg
schwieriger werden würden. Das Gegenteil war der Fall. Zum ersten Mal entschieden Juden, Araber und Deutsche,
in der Jugendherberge in Brüssel in gemischten Zimmern zu schlafen. Matan von Amakim-Tavor hob hervor, die
Diskussion über den Krieg habe ihm sehr geholfen, die arabische Seite zu verstehen. Auf die zu überbrückenden
kulturellen und historischen bei der Begegnung weist seine Mitschülerin Maayan hin: "Unsere Vergangenheit mit
den Deutschen und unsere Situation mit den Arabern sind zwei verschiedenen Dinge. Die Brücke zwischen uns
dreien zu bauen ist sehr problematisch."
Die Bonner Synagogengemeinde hatte am Freitagabend zum Kabbalat Shabbat, einem Gottesdienst mit anschließendem Essen,
eingeladen. Der Religionslehrer Benny Polak wies auf die gemeinsamen Werte und Ziele der drei monotheistischen
Religionen hin. Nur die Wege, die zum Paradies führten, seien verschieden. Lehrer Khaled Darawshi aus Iksal betonte,
dass diese Worte es ihm und seinen Schülern erleichtert hätten, sich in der Synagoge wohl zu fühlen.
Zum Abschiedsabend in der August-Macke Hauptschule kamen auch Bonns Oberbürger-meisterin und der israelische
Botschafter Shimon Stein. Er sagte, er habe als jugendlicher Schüler keinen Kontakt mit gleichaltrigen Arabern
in Israel gehabt. Heute bedaure er das. Amal aus Iksal schreibt dazu: "Der Besuch des Botschafters und der
Oberbürgermeisterin bei unserem Austausch hat mich sehr überrascht. Irgendwie waren wir wichtig und dieser
Aufmerksamkeit wert. Das hat mich sehr beeindruckt und nachdenklich gemacht." Sie schreibt außerdem, anfangs,
vor dem Austausch, "türmten sich lauter Schwierigkeiten vor meinem inneren Auge auf." Aber im Rückblick stellt
sie fest: "Die Menschen waren herzlich und offen, respektierten unser Anderssein und schauten nicht auf uns herab."
Zum Schluss noch Stimmen zur Rolle der Gastfamilien und dem Begleitprogramm:
Faten aus Iksal fand es hart, ihren Geburtstag nicht mit ihrer eigenen Familie feiern zu können,
"aber meine Gastfamilie machte eine kleine Party für mich zu Hause. Sie behandelten mich wirklich so,
wie es meine Familie getan hätte."
Tomer von Amakim-Tavor fasst seine Eindrücke so zusammen: "Es waren zwei Wochen, die mir sehr viel
Freude gemacht haben. Sie haben mir viel geholfen bei dem Gedanken an die Situation, die in Israel bei unserem
Abflug herrschte. Ich bin sehr froh, dass ich ein Teil dieser Gruppe war." Und sein Mitschüler Omri betont:
"Alle guten Worte, die über Israel gesagt wurden, haben uns gut getan, denn Israel ist gerade jetzt in einer
schweren Situation."
Nachzutragen ist: Am 6. November zeichnete das israelische Erziehungsministerium die Highschool Iksal mit dem
Erziehungspreis aus. Die Schule hatte sich bei dem jährlichen landesweiten Wettbewerb mit dem Koexistenzprojekt
mit der Amakim-Tavor-Schule beworben. In der Urkunde heißt es u.a., dieses Projekt sei wegweisend für das
Erlernen von Demokratie und Koexistenz.
Besonders gefreut hat uns, dass Iksal das Preisgeld mit der Amakim-Tavor-Schule geteilt hat.
Magdalene Krumpholz






Beschreibung der Fotos:
Krumpholz 1: Gemeinsames Projekt im Kunstmuseum Bonn
Krumpholz 2: Seminar in Brüssel
Krumpholz 3: Gedenken in Mechelen / Dossin
Krumpholz 4: Schifffahrt nach Linz
Krumpholz 5: Empfang im Rathaus in Bonn
Krumpholz 6: Präsentation der Seminararbeiten
Krumpholz 7: Im Europäischen Parlament in Brüssel
Krumpholz 8: Vor der Bonner Synagoge
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