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DEN ARBEITSGRUPPEN: München
THEMA: Marc Chagall im Glaspalast
Am 24. April 2004 besuchte die DIG München unter der Leitung des Ehrenvorsitzenden Manfred
Rother die Hommage an das Lebenswerk Marc Chagalls im Augsburger Glaspalast sowie die Augsburger
Synagoge, die von der damals liberalen jüdischen Gemeinde in den (Weltkriegs ) Jahren 1914 bis 1917
unter großer Anstrengung erbaut wurde. Die Augsburger Gemeinde zählte 1914 rund 1.000 jüdische Bürger,
was etwa 1% der Gesamtbevölkerung Augsburgs entsprach. Da jedoch die Bevölkerung infolge der
Industrialisierung rasch anwuchs und viele in die Stadt zogen, legte man die Synagoge mehr als doppelt so groß aus.
Erstaunlicherweise leben heute trotz Vertreibung, Krieg und Holocaust wieder rund 2.000 jüdische
Bürger in Augsburg, von denen allerdings viele aus der ehemaligen Sowjetunion zugezogen sind.
Die Gemeinde zählt heute zu den orthodoxen Gemeinden, weshalb auch die Orgel der Synagoge weiterhin
in der katholischen Pfarrei Weßling verbleibt, obwohl die Erzdiözese den Rücktransfer im Rahmen der
Restaurierung der Synagoge im Jahre 1985 angeboten hatte. Wie durch ein Wunder hatte die Synagoge die
Reichspogromnacht 1938 überstanden – es wurde „nur“ ein kleines Feuer entfacht, das kleinere Schäden
verursachte. Angrenzende Gebäude arischer Bürger und eine Tankstelle verhinderten größere Verwüstungen.
Auch nach der Restaurierung sind noch viele Merkmale der liberalen Synagoge erhalten.
Zuvor besuchte die DIG die bundesweit einzigartige Ausstellung über das Werk Marc Chagalls,
einem der berühmtesten Vertreter der Modernen Malerei. Wo könnte sie besser dargeboten werden als
in der Stadt des Friedens von 1555? Selbst in der Pariser Oper (mit einem Deckengemälde von 220 qm) ,
in der Knesset (dem israelischen Parlament mit Wandteppichen und Mosaiken), in der New Yorker
Metropolitan Opera und sogar auf einer Menükarte – anlässlich des Besuchs des damaligen
amerikanischen Präsidenten Carter auf Einladung des französischen Präsidenten Giscard d'Estaing –
verewigte er sein Werk. Einzigartig in seiner Symbolik und Farbgebung.
Am 7.Juii 1887 in Witebsk als chassidischer Jude geboren, hätte er kein Maler werden und kein
Ebenbild Gottes schaffen dürfen. Zeit seines Lebens war er der große Einzelgänger, hat sich nie
einem Dogma verschrieben. Und so schildern seine Bilder eine Welt voller Wunder, die sich im Alltag
vollziehen, mit den typisch märchenhaften Zügen der Chagallschen Bilderwelt, mit ihrem oft
orientalischen Zauber. Sein Werk ist ein Tagebuch in Bildern und reich an Symbolen (wie der Ziege
als Sinnbild des Weiblichen und dem Hahn als Sinnbild des Männlichen) – ein Dialog mit seiner
Heimat und seiner Herkunft, der nie abgerissen ist. In Paris – seiner zweiten Heimat – entdeckte
der „Dichter mit den Flügeln eines Malers“ (so Henry Miller) schließlich die Dynamik der Farbe in
seiner inneren Welt des Traums und der Phantasie. Marc Chagall entwickelte sich dort zu dem großen
Koloristen, über den Picasso später einmal voller Bewunderung sagte: „Nach Matisse' Tod ist Chagall
der einzige Künstler, der das Wesen der Farbe wirklich verstanden hat .... Seit Renoir hat kein
Künstler ein solches Gefühl für Licht gehabt wie Chagall.“
Und trotz all der Ereignisse, die unter den Eindrücken der dunklen Seite des Lebens stehen, die
Marc Chagall miterleben musste – die Pogrome und Erniedrigungen der Juden im zaristischen Russland,
1.Weltkrieg, Judenverfolgung und Holocaust im Dritten Reich (dem er im amerikanischen Exil entging),
2. Weltkrieg, schließlich Gründung des Staates Israel und seine militärische Selbstbehauptung blieb
Chagalls lebenslanges Credo die Oberzeugung: „In unserem Leben gibt es wie auf der Palette eines
Malers nur eine einzige Farbe, die dem Leben und der Kunst Sinn verleiht, die Farbe der Liebe."
(in: Jacob Baal Teshuva, Chagall, Köln 2003, S.10) Marc Chagall verstarb am 28. März 1985 im Alter
von 95 Jahren – sein letztes Bild zeigt ihn mit einem Engel und seiner Sehnsucht nach dem Paradies.
Es trägt den Titel „Dem anderen Lichte entgegen“.
Wir möchten uns auf diesem Wege herzlichst für diesen gelungenen Tag bei unserem Ehrenvorsitzenden
Manfred Rother sowie bei Frau Brunhilde Thomae für die kenntnisreiche Führung durch die Ausstellung bedanken.
Dieter Mauch
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