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DEN ARBEITSGRUPPEN: NRW
THEMA: Studiennachmittag der NRW-Arbeitsgemeinschaften in der Katholischen Akademie Mülheim
Zu einem Studiennachmittag unter dem Thema "Deutschland und Israel. Vierzig Jahre diplomatische Beziehungen" luden
die nordrhein-westfälischen Arbeitsgemeinschaften der DIG in Kooperation mit der Katholischen Akademie des Bistums
Essen am 5. November 2005 in die "Wolfsburg" nach Mülheim an der Ruhr ein. Schon im Herbst 2004 hatten sich
Vertreter der AGs auf Initiative von Karl-Heinz Volkert und Wolfgang Wende mehrfach getroffen, um eine gemeinsame
Abschlussveranstaltung für das Jubiläumsjahr 2005 zu planen, die nicht nur eine Bilanz der bilateralen Beziehungen
ziehen, sondern vor allem auch einen Blick in die Zukunft wagen sollte.
Es war gelungen, den erst vor wenigen Wochen von seinem Botschafterposten in Tel Aviv zurückgekehrten Rudolf Dreßler
als Gesprächspartner zu gewinnen, der zunächst eine äußerst positive Analyse des deutsch-israelischen Verhältnisses
vorlegte. Er charakterisierte die Beziehungen vor dem Hintergrund der Schrecken der Vergangenheit als "sensationell
gut" und belegte seine These mit einer ganzen Reihe anschaulicher Beispiele aus seinem Botschafteralltag. Er sieht
ein Grundvertrauen der Israelis in das "andere Deutschland", nicht zuletzt wegen der deutschen Anstrengungen bei der
Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte. Israelische Medien und Öffentlichkeit reagieren heute wesentlich
unaufgeregter auf Vorfälle, wie die Rede des ehemaligen Abgeordneten Hohmann, als noch vor einigen Jahren.
Das Interesse der Israelis an Deutschland wachse zusehends, was etwa am Andrang zu den Deutschkursen des
Goethe-Instituts in Tel Aviv abzulesen sei.
Dreßler betonte die herausragende Bedeutung des Jugendaustausches für die Zukunft der deutsch-israelischen
Beziehungen. Nachdem zu Beginn der Intifada die Zahl der gegenseitigen Besuche dramatisch zurückgegangen sei,
müsse jetzt alles daran gesetzt werden, die Begegnungsprogramme weiter zu entwickeln. Dazu sei auch die Politik -
nicht zuletzt in Israel - gefordert, um die administrativen Voraussetzungen zu schaffen und die nötigen Mittel
bereit zu stellen.
Auf das optimistische Szenario des ehemaligen Botschafters folgte eine eher skeptische Einschätzung des
Chefkorrespondenten der Deutschen Welle, Peter Philipp, der von 1968 bis 1991 als Journalist in Jerusalem lebte
und arbeitete. Als Folge des "Generationenwechsels" sieht er auf beiden Seiten eher ein abnehmendes Interesse am
anderen Land. Für deutsche Jugendliche sei Israel inzwischen ein Land wie jedes andere oder sogar - geprägt durch
die Bilder der Medien - ein "Land von Besatzern". Das Geschichtsbewusstsein junger Leute in Deutschland und in
Israel nehme ab - zumal immer weniger Zeitzeugen der furchtbaren Jahre Auskunft geben könnten. Das Interesse
der israelischen Jugend an Deutschland sei zunehmend unspezifisch: Deutschland sei ein Teil von Europa und
damit als Studien- und Arbeitsplatz attraktiv. Philipp pointierte, indem er die Feierlichkeiten zu "40 Jahren
diplomatische Beziehungen" als den letzten Höhepunkt der besonderen Beziehungen bezeichnete, bevor das Verhältnis
immer "normaler" werde (ohne je "normal" zu sein).
Das abschließende Podiumsgespräch zur Zukunft der Beziehungen bestritten neben dem Diplomaten und dem Journalisten
der Pädagoge Theo Schwedmann, der in NRW für die Programme der Lehrerfortbildung mit Yad Vashem verantwortlich ist,
und das Gründungsmitglied der DIG und späterer Vorsitzender der AG Bonn Horst Dahlhaus. Trotz unterschiedlicher
Akzentsetzung bei der Beurteilung des gegenwärtigen Standes der Beziehungen waren sich die Gesprächspartner einig,
dass ohne den Ausbau der Jugendbegegnung auf allen denkbaren Ebenen von Schule, Vereinen, Stipendienprogrammen,
Studienaustausch usw. das erreichte Niveau des bilateralen Verhältnisses nicht gehalten werden könne.
Bei aller Konzentration auf die Zukunft müsse allerdings die Geschichte als besonderes Fundament und
damit die "Einzigartigkeit" (Dahlhaus) der Beziehungen bewusst bleiben.
Die Ergebnisse des Gedankenaustausches in Mülheim dürften auch für die zukünftige Arbeit der DIG bundesweit
von Interesse sein, die ja im kommenden März ihr 40-jähriges Bestehen feiern wird. Ohne eine Aktivierung der
Jugendarbeit könnte auch die DIG auf die Dauer eine "normale" Freundschaftsgesellschaft werde.
Jutta Klaeren/Heinrich Bartel
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