ZWISCHENRUF
von Johannes Gerster
DIG - Magazin 1/2007
Wenn Hochwürden eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Wenn 27 deutsche Bischöfe die Reise nach Jerusalem spielen, können schon einige vom Hocker fallen.
Natürlich kann man das Warschauer Ghetto und die Stadt Ramallah nicht in einen Topf werfen und schon gar nicht mit pauschalen Rassismusvorwürfen herumhantieren. Kardinal Lehmann hat sich von derartigem bischöflichem Geschwätz distanziert und man sollte die Redlichkeit dieser Entschuldigung auch nicht in Frage stellen. Ebenso wenig hilft der reflexartige Antisemitismusvorwurf an die Adresse der Bischöfe wirklich weiter. Oder glaubt jemand im Ernst, ein deutscher Bischof wolle ausgerechnet in Jerusalem antisemitische Parolen aussondern?
Was wirklich betroffen macht, ist etwas anderes.
Die Bischöfe sind offenbar so wenig informiert und so naiv orientiert in den Nahen Osten gereist, dass die arabische Propaganda, Israelis würden die Palästinenser wie einst die Nazis die Juden behandeln, bei einigen auf fruchtbaren Boden fiel. Einzelnen Bischöfen ist die Not der Israelis, die sich existentiell gefährdet sehen und das zu Recht, völlig entgangen oder völlig egal.
Offenbar spielte auch die Tatsache, dass die Christen in Bethlehem oder andernorts im täglichen Leben von den Muslimen schikaniert, ja sogar drangsaliert werden, keine Rolle.
Um nicht falsch verstanden zu werden: Man kann über die Lebensbedingungen der Palästinenser in den besetzten Gebieten wirklich entsetzt sein. Man sollte aber nicht so tun, als ob palästinensischer Terror und Gewalt nicht mitursächlich wären für die Not der Palästinenser.
Der Pulverdampf der Bischofsreise ist verraucht. Ein fader Geschmack bleibt zurück. Jetzt sollte die Deutsche Bischofskonferenz offenbar politische Defizite in Sachen Naher Osten aufarbeiten und mit dem Zentralrat der Juden, mit der DIG und durch eine gemeinsame Entschließung ein befriedendes Zeichen setzen. Gerade nach der Woche der Brüderlichkeit könnte der christlich-jüdische Dialog ein positives Signal der deutschen Bischöfe gut vertragen.