60 Jahre UNO-Beschluss – Israel hat Zukunft!
Am 29. November 2007 jährt sich zum 60. Mal der Beschluss der UN-Vollversammlung, zum Ende des britischen Mandates Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Staat zu teilen. Dieser Beschluss legitimierte zur Gründung des Staates Israel am 14. Mai 1948. Einen Tag später überfielen die Armeen der arabischen Nachbarstaaten Israel, um es zu vernichten. Israel gewann diesen, seinen Unabhängigkeitskrieg. Noch heute propagieren die Extremisten in Nahost die Zerstörung des Staates Israel.
Zum 60. Jahrestag des UN-Beschlusses am 29. November 2007 gab der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Dr. h.c. Johannes Gerster, dem Mannheimer Journalisten Johannes Barth das folgende Interview.
Frage: Israel feiert im Jahre 2008 seinen 60. Geburtstag. Wie sieht die Bilanz dieses noch immer jungen Staates aus?
Antwort: Bei der Gründung des Staates am 14. Mai 1948 lebten dort 700 000 Staatsbürger, heute leben dort 7,2 Millionen Menschen. Aus einem Agrarland wurde ein Industriestaat, der in den modernen Technologien einen Spitzenplatz in der Welt einnimmt. Im Bruttosozialprodukt hat Israel den Standard der Europäischen Union erreicht. Die Israelis können stolz auf das Erreichte sein.
Frage: Wie sieht die Zukunft des Staates Israel aus?
Antwort: Israel kann dann auf eine sichere Zukunft bauen, wenn der Dauerkonflikt mit den Palästinensern und deren Verbündeten beendet werden kann. Dazu gibt es in dieser Region verpasster Chancen wieder einmal eine Chance. Gemäßigte arabische Staaten treten zunehmend für eine Anerkennung Israels Zug um Zug mit der Bildung eines palästinensischen Staates neben Israel ein. Die arabische Welt tritt nicht mehr geschlossen gegen Israel auf. Die Vision eines extremistischen Palästinenserstaates erschreckt mehr als Israels Existenz.
Frage: Wie könnte eine Lösung des Konfliktes aussehen?
Antwort: Die Besatzung eines Volkes durch ein anderes kann nie eine Dauerlösung sein. In Israel leben 5,5 Millionen Juden und 1,5 Millionen Araber, die sich zunehmend Palästinenser nennen. Dazu kommen 3,5 Millionen Palästinenser in den Gebieten und in Ostjerusalem. Es muss ein „Modus vivendi“ auf der Basis zweier Staaten nebeneinander gefunden und durchgesetzt werden.
Frage: Nun sagen viele Israelis, ein Nachgeben Israels würde als Schwäche empfunden werden und zu neuer Gewalt ermuntern. Was erwidern Sie diesen Kritikern eines Rückzuges?
Antwort: Der Rückzug aus dem Libanon im Jahre 2000 hat zur Aufrüstung der Hisbollah und der Rückzug aus dem Gazastreifen im Jahre 2005 hat zum Bürgerkrieg dort und zum Dauerbeschuss auf Sderot und andere Orte geführt. Insofern ist dieses Argument sehr ernst zu nehmen. Auf der anderen Seite sind Besatzung und eine perspektivlose, trostlose wirtschaftliche Lage in den palästinensischen Gebieten der gefährlichste Nährboden für die Radikalisierung der Palästinenser. Dieser gordische Knoten ist nicht durch Nichtstun aufzulösen. Die Palästinenser müssen aus der Besatzung entlassen werden. Sie müssen aber auch für ein Ende des Bomben- und Raketenterrors sorgen.
Frage: Gegen einen palästinensischen Nachbarstaat ist aber die Mehrheit der Israelis. Was also tun?
Antwort: Wer sagt das? In allen Umfragen antwortet eine deutliche Mehrheit der Israelis, dass sie in Zukunft mit einem palästinensischen Staat neben Israel rechnen. Das Hauptproblem liegt darin, dass sie kein Vertrauen in die friedensfördernde Wirkung eines Palästinenserstaates haben. Dies muss man nach den bisherigen Erfahrungen und aufgrund der Vernichtungsparolen von Hamas, der Hisbollah, des Iran u. a. auch verstehen. Mit der Gründung eines palästinensischen Nachbarstaates muss ein internationaler Schutzschild für Israel und seine Bürger errichtet werden. Spätestens seit dem Libanonkrieg akzeptiert die israelische Gesellschaft internationale, militärische Hilfe. Sie muss nur organisiert und verlässlich durchgesetzt werden.
Frage: Hat Israel insoweit also seine „Staatsphilosophie“ aufgegeben,. selbst so stark sein zu müssen; um allein die Sicherheit des jüdischen Volkes zu garantieren?
Antwort: Natürlich gibt es noch jede Menge Leute in Israel, die nach dem Motto „Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott“, vorgehen. Die Realität sieht aber anders aus. Auch Israel braucht in einer globalisierten Welt internationale, stabile Sicherheitsgarantien, um überleben zu können. Israel gehört zur Wertegemeinschaft der westlichen Welt. Die einzige Demokratie im Nahen Osten muss vor allem von der Europäischen Union, die endlich zu einer gemeinsamen Nahostpolitik finden muss, stärker und glaubhafter unterstützt werden. Gerade auch gegenüber dem Iran.
Darüber hinaus muss eine Art Marshallplan sowohl den Aufbau der palästinensischen Wirtschaft wie israelisch-palästinensische Kooperationen anstoßen und fördernd begleiten. Ich halte es da mit Bert Brecht: „Erst kommt das Fressen dann die Moral.“ Mit einem starken Wirtschaftsprogramm, mit der Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen in Nahost wie mit dem Ende der Besatzung wird Wasser von den Mühlen der Radikalen genommen.
Wenn die internationale Staatenwelt überzeugend deutlich macht, dass jeder, der Hand an Israel anlegen will, mit dem Schlimmsten für sich selbst rechnen muss, wird das eine fairen Ausgleich zwischen Israelis und Palästinensern dienen, ja ihn gestaltbar machen.
Genau das wünschen wir Israel zu seinem 60. Geburtstag:
Endlich in Ruhe und Frieden leben zu können.
DIG-Präsident Dr. h.c. Johannes Gerster
Berlin, den 22. November 2007