Zum Holocaustgedenktag am 27. Januar 2010 erklärt der Präsident der DIG:
Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wird am Holocaustgedenktag der israelische Staatspräsident im Deutschen Bundestag sprechen. Shimon Peres, Staatspräsident und Friedensnobelpreisträger, wird an das Schicksal seines Großvaters Zvi Meltzer erinnern. Dieser war mit anderen Juden am 30. August 1942 in der Synagoge von Vishniova von den Nazis bei lebendigem Leib verbrannt worden.
Für Shimon Peres war das Schicksal seines Großvaters nie ein Hinderungsgrund, für die deutsch-israelischen Beziehungen, ja für die Aussöhnung zwischen Israel und Deutschland einzutreten. Im Gegenteil. Er wollte und will, dass dem Ungeist nationalsozialistischen Rassenwahns mit dem Geist der Humanität geantwortet wird, im deutsch-israelischen Verhältnis, aber auch zwischen den Völkern im Nahen Osten und speziell im Verhältnis zwischen Israelis und Palästinensern. Er ist ein Humanist und für den Frieden tätig.
In Deutschland gibt es noch immer Antisemitismus, der sich unter anderem in einer zügellosen, unfairen, einseitigen Schuldzuweisung gegenüber Israel äußert. Ich rede nicht von der Kritik an einzelnen tagespolitischen Entscheidungen in Israel. Ich rede von der abgrundtiefen Ablehnung des Lebensrechtes der Juden in Israel. Diesen Antisemitismus gibt es von Rechtsaußen, von Linksaußen und aus den Kreisen moslemischer Zuwanderer.
Wir sollten Shimon Peres genau zuhören. Seine Mahnungen zum Holocaust- gedenktag sollten für uns Anlass sein, zu erinnern, zu gedenken und zu handeln: Gegen jede Form des Antisemitismus, gegen einseitige und ungerechte Schuldzuweisungen an Israel, für das Lebensrecht der Juden in Israel und für einen gerechten Frieden im Nahen Osten.
Dr. h.c. Johannes Gerster
Berlin, 25. Januar 2010