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ZEITTAFEL
DER DEUTSCH-ISRAELISCHEN BEZIEHUNGEN
Zeittafel
der offiziellen Deutsch-Israelischen Beziehungen unter besonderer Berücksichtigung der DIG, zusammengestellt von Hildegard Radhauer.
1950-1959
1960-1969
1970-1979
1980-1989
1990-1996
1950-1959
März
1951
Der Anspruch auf materielle Wiedergutmachung wird von der
israelischen Regierung erhoben. Adressaten sind die Alliierten.
Die Westalliierten lehnen eine Zwangsregelung ab und verweisen
auf die Zuständigkeit der westdeutschen Regierung. Die
Sowjetunion und die DDR reagieren nicht. Friedensinitiative
von Erich Lüth und Rudolf Küstermeier ("Aktion
Frieden mit Israel").
September
1951
Bundeskanzler Konrad Adenauer erkennt die prinzipielle Verpflichtung
des deutschen Volkes gegenüber Israel und dem jüdischen
Volk in einer Regierungserklärung vor dem Deutschen Bundestag
an.
Dezember
1951
Adenauer wiederholt die im September gegebene Erklärung
in einem Brief an den Präsidenten des Jüdischen
Weltkongresses, Nachum Goldmann.
Januar 1952
Die Knesset (israelisches Parlament) billigt die Aufnahme
von Verhandlungen mit dem Ziel eines Wiedergutmachungsabkommens.
Besonders harter Widerstand gegen die parlamentarische Entscheidung
wird von der Herut-Partei des späteren Ministerpräsidenten
Menahem Begin geleistet.
März
1952
Aufnahme von Verhandlungen in Wassenaar (Holland).
September
1952
Unterzeichnung des Wiedergutmachungsabkommens in Luxemburg.
Die Israel betreffenden Zahlungen betragen drei Milliarden
DM in Form von Warenlieferungen, verteilt auf einen Zeitraum
von zwölf Jahren. Der "Sozialistische Deutsche Studentenbund"
(SDS) sucht als erster deutscher Studentenverband Kontakte
zu potentiellen israelischen Partnern zu knüpfen.
März
1953
Ratifizierung des Luxemburger Abkommens im Deutschen Bundestag
(255 Ja-Stimmen, 35 Nein-Stimmen, 89 Enthaltungen).
1953
Kontakte zu den arabischen Staaten, insbesondere zu Ägypten,
um die traditionell guten deutsch-arabischen Beziehungen zu
wahren. Deutsche Wirtschaftshilfe soll die ablehnenden Reaktionen
der arabischen Staaten auf das Wiedergutmachungsabkommen mildern.
März
1955
In Köln wird die Israel-Mission eröffnet, in Israel
wird eine deutsche Sichtvermerkstelle eingerichtet.
Dezember
1955
Mit Bekanntgabe der Hallstein-Doktrin wird der deutsche Alleinvertretungsanspruch
für Gesamtdeutschland zur obersten Maxime für die
bundesdeutsche Außenpolitik. Die Hallstein-Doktrin prägt
in den folgenden Jahren maßgeblich die Beziehungen zu
allen Staaten des Nahen Ostens.
Oktober
1956
Sinai-Feldzug. Britische und französische Truppen besetzen
die Suez-Kanalzone, Israel erobert den Sinai.
Anfang
1957
Beginn geheimer deutsch-israelischer Kontakte zur waffentechnischen
Zusammenarbeit. Israel versucht ab 1957 diplomatische Beziehungen
mit der Bundesrepublik Deutschland aufzunehmen. Dieses Begehren
wird vom amerikanischen Außenministerium unterstützt;
auf deutscher Seite setzt sich dafür der SPD-Vorsitzende
Erich Ollenhauer ein. Unter dem Pseudonym "Julius Bermann
aus Antwerpen" kann Erich Lüth mit Billigung der
israelischen Regierung eine Informationsreise nach Israel
antreten.
März
1957
Erich Ollenhauer, Bundesvorsitzender der SPD, reist auf Einladung
der israelischen Regierung nach Israel. Vor israelischem Publikum
erhält er als erster Deutscher der Nachkriegszeit die
Gelegenheit zu einer öffentlichen Ansprache.
Oktober
1957
Adenauer lehnt den Wunsch Israels nach Aufnahme diplomatischer
Beziehungen mit der Begründung ab, dass Bonn "jeden
Schritt vermeiden wolle, der die Spannungen im Nahen Osten
vergrößern" könne.
Dezember
1957
Intensivierung der Geheimkontakte zwischen den Verteidigungsministern
Franz-Josef Strauß und Shimon Peres. Offiziell werden
die Kontakte von deutscher Seite dementiert. Anne Frank-Gedenkfeier
in Bergen-Belsen. Eine Hamburger Schülerin erklärt
vor über tausend Jugendlichen den Willen zur Versöhnung
mit der israelischen Jugend.
1957
Mit Unterstützung des Theologen Helmut Gollwitzer konstituiert
sich an der Freien Universität (FU) Berlin eine "Deutsch-Israelische
Studiengruppe" (DIS).
April
1958
Gründung von "Aktion Sühnezeichen": Auf
Initiative von Präses Lothar Kreyssig sollen junge Deutsche
zur Unterstützung sozialer Projekte u.a. nach Israel
entsandt werden - als Sühne- und Versöhnungszeichen.
1958
Zusammenarbeit deutscher und israelischer Unternehmen der
Gemeinwirtschaft unter Federführung von Walter Hesselbach.
1959
Gründung der "Germania Judaica" in Köln:
Die Bibliothek zur Geschichte des deutschsprachigen Judentums
besitzt die größte Sammlung auf diesem Gebiet.
Dezember
1959
Erste Delegation des Max-Planck-Instituts zu Kibbuzim.
zum
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1960-1969
Januar
1960
Die Berliner DIS sammelt mehr als 3.000 Unterschriften "gegen
antisemitische Vorfälle" und "für Freundschaft
und Verständigung mit Juden um dem Staat Israel".
März
1960
In New York treffen sich Bundeskanzler Adenauer und Ministerpräsident
David Ben-Gurion, um über die künftige militärische
und wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Staaten zu beraten.
Erste Arbeitseinsätze studentischer Gruppen aus der Bundesrepublik
Deutschland in Kibbuzim. Beginn deutsch-israelischer wissenschaftlicher
Zusammenarbeit in bescheidenem Umfang.
April
1961
Beginn des Eichmann-Prozesses in Jerusalem. Das israelische
Außenministerium lädt Mitglieder der Berliner DIS
zur Beobachtung des Eichmann-Prozesses nach Jerusalem ein.
Mai
1961
Gründung des "Bundesverbandes Deutsch-Israelischer
Studiengruppen" (BDIS).
Oktober
1961
Die erste Freiwilligengruppe von "Aktion Sühnezeichen"
nimmt ihren Dienst im Kibbuz Urim auf.
1961
Erste Studienreise einer Landeszentrale für politische
Bildung (Niedersachsen) nach Israel.
Juni
1962
Abschluss eines Geheimvertrages über deutsche Waffenlieferungen
und militärische Ausbildungshilfe zwischen der BRD und
Israel.
August
1962
Die Bundesregierung wird durch die israelische Regierung über
die Tätigkeit deutscher Wissenschaftler in der ägyptischen
Raketenindustrie informiert. Demonstration unter dem Motto
"Worauf warten wir?" zur Aufnahme deutsch-israelischer
Beziehungen. Beteiligt sind: "Die Falken", Liberaler
Bund, Deutsch-Israelische Studiengruppe FU Berlin, "Aktion
Sühnezeichen" und die Liga für Menschenrechte.
August
1963
Adenauer bietet Israel den Austausch von Botschaftern an,
unterwirft sich aber arabischem Druck und macht das Angebot
rückgängig. Beteiligung deutscher Verlage ( von
Holtzbrinck, Rowohlt und dtv) an der Jerusalemer Buchmesse.
Erste Studienreise der Bundeszentrale für politische
Bildung nach Israel.
Oktober
1964
Die Frankfurter Rundschau und die New York Times berichten
über den deutsch-israelischen Geheimvertrag zu gegenseitigen
Waffenlieferungen.
November
1964
Bundeskanzler Ludwig Erhard gibt vor dem Deutschen Bundestag
bekannt, dass die Regierung künftig keine Waffen mehr
in Spannungsgebiete außerhalb der NATO-Mitgliedsstaaten
liefern werde. Wirtschaftshilfe für arabische Staaten
sowie eine Entschädigung für den gekündigten
Geheimvertrag sollen den politischen Schaden so gering wie
möglich halten.
Dezember
1964
Aufgrund der Annäherung zwischen der UdSSR und Ägypten
wird die deutsche Wirtschaftshilfe für Ägypten fragwürdig.
Februar
1965
Der DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht besucht Ägypten.
März
1965
Bundeskanzler Erhard kündigt die Aufnahme diplomatischer
Beziehungen zu Israel an. In der Knesset wird über die
Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur BRD abgestimmt (66
Ja, 29 Nein, 10 Enthaltungen). Die arabischen Außenminister
beraten über Boykottmaßnahmen gegen die Bundesrepublik.
Anhaltender Protest gegen die Israelpolitik der Bundesregierung.
Die Nichtaufnahme diplomatischer Beziehungen zu Israel wird
als einseitige Parteinahme zugunsten der arabischen Standpunkte
gedeutet. Der Regierende Bürgermeister Berlins, Heinrich
Albertz, besucht verschiedene israelische Städte und
bereitet die Zusammenarbeit von Deutschem Städtetag und
Union of Local Authorities vor.
Mai
1965
Die diplomatischen Beziehungen zwischen der BRD und Israel
werden durch einen Notenaustausch zwischen Erhard und Eschkol
aufgenommen. Die Verjährungsfrist für Nazi-Verbrechen
wird auf Beschluss des Deutschen Bundestages bis zum 31.12.1969
verlängert. Erster Botschafter Israels in Bonn wird Asher
Ben Nathan. Dr. Rolf Friedemann Pauls wird erster deutscher
Botschafter in Israel.
Anfang 1966
Januar
1966
Spannungen im deutsch-israelischen Verhältnis aufgrund
von Verhandlungen über ein deutsch-israelisches Wirtschaftsabkommen
Eröffnung des Staatlichen Israelischen Verkehrsbüros
in Frankfurt /Main. Entwicklung des Tourismus: 1955 497 1960
4.100 1963 7.650 1964 9.950 1965 12.927 1966 13.500 (Zahlen
n. R. Vogel, Deutschlands Weg nach Israel, 1967)
März
1966 21. März Gründung der DIG Vorsitzender der
Gründungsversammlung: Propst D. Dr.h.c. Heinrich Grüber;
Gerhard Jahn wird zum Präsidenten gewählt; stellvertretende
Vorsitzende des Präsidiums: Prof. Dr. Ernst Benda, Walter
Hesselbach und Prof. Dr. Rolf Rendtorff.
Mai
1966
Abschluss eines deutsch-israelischen Wirtschaftsabkommens.
Öffentliche Gründungsversammlung der DIG in Berlin
mit einem Festvortrag von Senator Adolf Arndt und Ansprachen
von Probst Grüber, dem Botschafter des Staates Israel,
Asher Ben-Nathan sowie Grußworten des Regierenden Bürgermeisters
und SPD-Vorsitzenden Willy Brandt, Bundesminister a.D. Lemmer
(CDU). Bundespräsident Heinrich Lübke und Dr. Rolf
F. Pauls, Botschafter der BRD in Israel, senden Botschaften.
Die "Leitsätze für die Arbeit der DIG"
werden verabschiedet.
Oktober
1966
Israel beantragt die Assoziierung an die EWG. Bank für
Gemeinwirtschaft (BfG) und Industries gründen eine Factoring-Bank,
die Voraussetzungen für den Absatz israelische Güter
schafft.
Januar
1967
Gerhard Jahn regt im Präsidium der DIG die Durchführung
deutsch-israelischer Kulturwochen an, um damit einen Beitrag
zur öffentlichen Wahrnehmung zu leisten.
Februar
1967
Die DIG gerät vorübergehend in eine Finanzkrise.
April
1967
Gründung der Deutsch-Israelischen Handelskammer in Tel
Aviv: Präsident wird K.A. Moosberg. Gründung der
Deutschen Gesellschaft zur Förderung der Wirtschaftsbeziehungen
mit Israel e.V.: Präsident wird Walter Hesselbach (Vorläufer
der Deutsch-Israelischen Wirtschaftsvereinigung). Ergebnis
einer DIG-Delegationsreise nach Israel: Die DIG als Mittler
des Wunsches Israels auf Assoziierung an die EWG. Am 8. Mai:
Prof. Dr. Ernst Benda löst Gerhard Jahn als Präsident
ab, da dieser Staatsminister im Auswärtigen Amt wird.
Juni
1967
Ausbruch des Krieges zwischen Israel und Ägypten, Jordanien
und Syrien. Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger und Außenminister
Willy Brandt sehen durch den Konflikt eine Gefährdung
der Entspannungs- und Friedenspolitik. Die Bundesrepublik
verhält sich neutral. Bonn leistet humanitäre Hilfe
für Israel. Die DIG ruft zur "Hilfe für Israel"
auf. Es bilden sich zahlreiche Solidaritätsaktionen,
die bundesweit einer breiten Öffentlichkeit bekannt sind.
Juni/Juli
1967
Die breite Sympathiewelle in Deutschland bewirkt einen Meinungswandel
in Israel gegenüber Deutschland. In der studentischen
Linken wird Israel zunehmend kritischer gesehen. Der Wandel
vollzieht sich zugunsten eines Engagements für die Palästinenser.
Nach Beendigung des Krieges wird von Brandt auf die Bedeutung
des arabischen Flüchtlingsproblems hingewiesen. Der Wunsch
nach Assoziierung wird von der deutschen und holländischen
Regierung befürwortet, scheitert aber am französischen
Einspruch. Etwa 3.000 Freiwillige bieten ihre Hilfe an. 12
Freiwillige reisen auf Initiative der DIG unter Leitung von
Prof. Dr. Heinz Kremers nach Israel, um drei Monate im Kibbuz
Givat Hayim mitzuhelfen. Botschafter Ben-Nathan fordert die
DIG auf, sich im Zusammenhang mit der Propaganda der "Deutschen
National- und Soldatenzeitung" mit Gegenmaßnahmen
zu engagieren. Zahlreiche Verbände und Institutionen
entsenden freiwillige Helfer nach Israel. Das Bundesministerium
für Jugend, Familie und Gesundheit fördert die Freiwilligenprogramme
finanziell.
September
1967
Anlässlich der Gründung der Arbeitsgemeinschaft
Wiesbaden gibt Heinz Westphal bekannt, dass im Rahmen der
Aktion "Hilfe für Israel" 3,3 Mio. DM gesammelt
werden konnten. Die DIG interveniert zugunsten eines intensiveren
Jugendaustauschs zwischen beiden Ländern.
Herbst
1967
Vizepräsident Rendtorff besucht im Auftrag der DIG Israel.
Die "Begegnung" wird in Tel Aviv gegründet;
diese Vereinigung schließt sich später der Israelisch-Deutschen
Gesellschaft an.
1967
Erste Delegation der Union of Local Authorities beim Deutschen
Städtetag.
November
1967
Die UN-Resolution 242, die die israelischen Truppen zum Rückzug
aus den besetzten arabischen Gebieten auffordert, wird verabschiedet.
Januar 1968 Am 10. Januar erscheint eine Sonderausgabe der
Wochenzeitung "Das Parlament" zum Thema "20
Jahre Israel".
Mai
1968
Erste Ausgabe der DIG-Informationen.
Sommer
1968
Zweiter deutscher Botschafter in Israel: Karl Hermann Knoke.
Oktober
1968
Erstes von der DIG getragenes Pädagogenseminar für
deutsche Lehrer findet an der Hebräischen Universität
in Jerusalem statt. Ziel: Erarbeitung von Unterrichtsmodellen
für deutsche Schulen. Das Seminar wird zum Ausgangspunkt
für permanente bildungspolitische Aktivitäten. Aufnahme
der Beziehungen zwischen Prof. Saul B. Robinsohn, Chaim Schatzker
und dem Internationalen Institut für Schulbuchforschung
in Braunschweig.
Februar
1969
Neue Formen des Terrorismus: Am 19. Februar wird ein Attentat
auf ein El Al-Flugzeug in Zürich verübt.
März
1969
Die erste Delegation der Knesset besucht die Bundesrepublik
Deutschland.
April
1969
Die DIG hat 1.200 Mitglieder, davon 80 Abgeordnete des Bundestages.
Mai
1969
Die DIG verstärkt ihre Aktivitäten im Bereich der
Jugendarbeit, eine entsprechende Stelle wird geschaffen.
Juni 1969
Ausschreitungen gegen den Botschafter des Staates Israel in
der Universität Frankfurt veranlassen die DIG, mit aller
Schärfe gegen das Vorgehen des SDS zu protestieren und
vor einer neuen Form des Antisemitismus in Gestalt des Antizionismus
zu warnen.
Sommer
1969
Die DIG vermittelt Arbeitsaufenthalte für Jugendliche
in Kibbuzim. Gleichzeitig werden Kontakte zur Moschav-Bewegung
aufgenommen. Die DIG setzt sich für regelmäßige
deutsch-israelische Gespräche nach dem Muster der "Deutsch-Englischen
Gespräche" ein.
September
1969
Die DIG initiiert eine Aktion gegen den Extremismus (gegen
NPD und linksextreme Gruppierungen). Gründung des "EMUNA-Verlags-Verein
e.V.", Träger sind: Deutscher Koordinierungsrat
der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit;
Deutsch-Israelische Gesellschaft; Germania Judaica, Kölner
Bibliothek zur Geschichte des deutschen Judentums; Bundesverband
Deutsch-Israelischer Studiengruppen in Zusammenarbeit mit
dem Bundesverband Jüdischer Studenten in Deutschland.
November
1969
Mittels neuer Formen der Öffentlichkeitsarbeit wird antiisraelischen
Kräften in der öffentlichen Debatte begegnet.
Dezember
1969
Asher Ben-Nathan wird verabschiedet. Zweiter Botschafter wird
Elisashiv Ben-Horin. Die DIG weitet ihre regionalen und örtlichen
Aktivitäten aus. Die Aktivitäten verlagern sich
in den politischen Bereich, weiterhin wird die Rolle des Mittlers
und Koordinators im Rahmen der bilateralen, nicht-behördlichen
und nicht-wirtschaftlichen Beziehungen wahrgenommen.
1969
Die Verjährungsfrist für Nazi-Verbrechen wird um
zehn Jahre auf den 31.12.1979 verlängert. In Israel wird
das Aufkommen von neuem Antisemitismus in Deutschland aufmerksam
beobachtet, ebenso das Auftreten der NPD im Wahlkampf. Deutscher
Städtetag und Union of Local Authorities vereinbaren
Besucher- und Erfahrungsaustausch. Das Goethe-Institut nimmt
seine Arbeit in Tel Aviv auf.
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1970-1979
1970
Gründung der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe
im Deutschen Bundestag auf Anregung der Abgeordneten Benda
und Wohlrabe. Den Vorsitz übernehmen: Günther Metzger,
Jürgen Wohlrabe und Detlef Kleinert.
April
1971
Gründung der Partnerorganisation Israelisch-Deutsche
Gesellschaft (IDG) in Tel Aviv. Präsident wird Prof.
André de Vries, Rektor der Universität Tel Aviv.
Ziele: Verbindungen zwischen Deutschen und Israeli zu pflegen
und weiterzuentwickeln; Pflege der kulturellen Beziehungen
durch Vorträge, Ausstellungen, Seminare, Konzerte etc.;
Unterstützung bei bilateralen Austauschprojekten; Veröffentlichung
und Verteilung von Schriften; Diskussionen mit und Betreuung
von deutschen Besuchern in Israel; Zusammenarbeit mit anderen
Organisationen im Sinne der Zielsetzungen.
Juni
1971 Juni 1971
Verabschiedung der ersten europäischen Nahosterklärung
durch die sechs EG-Staaten. Deutsche Parlamentariergruppe
in Israel.
Außenminister Walter Scheel in Israel. Themen: Nahostkonflikt,
die Haltung der EG und die deutsch-israelischen Beziehungen.
In Israel gibt es eine deutliche Ablehnung des Begriffs der
"Normalisierung" zur Definition der bilateralen
Beziehungen; Israel besteht auf der Beibehaltung der "besonderen
Beziehungen zwischen beiden Ländern". Die DIG erwartet
vom Besuch des Außenministers, dass die deutsche Außenpolitik
israelischen Sicherheitsbedürfnissen Rechnung trägt.
Jesco von Puttkamer löst Knoke als deutschen Botschafter
ab.
Oktober
1971
Gründung eines Instituts für Deutsche Geschichte
an der Universität Tel Aviv. Die Stiftung Volkswagenwerk
stellt 1,6 Mio. DM bereit. Die Arbeit wird am 20. Oktober
1971 unter dem Direktor Prof. Dr. Walter Grab aufgenommen.
November
1971
Woche der Deutschen Kultur in Tel Aviv. In Israel löst
die Ankündigung der Kulturwoche unterschiedlich heftigen
Protest aus. Politische Kräfte (z.B. Mapam) argwöhnen,
mit dieser Veranstaltung könne die "galoppierende
Normalisierung" der Beziehungen verbunden sein. Tel Avivs
Oberbürgermeister Rabinowitz verzichtet auf eine Begrüßungsansprache
beim Eröffnungskonzert. Der deutsche Botschafter Jesco
von Puttkamer schließt sich diesem Verzicht an und erklärt,
die Deutsche Kulturwoche werde nicht veranstaltet, um das
Vergessen zu fördern. Keine deutsche Regierung, von Konrad
Adenauer bis Willy Brandt, habe eine Politik des Vergessens
gefördert oder nur geduldet. Ministerpräsidentin
Golda Meir plädiert für eine ausgewogene Haltung
gegenüber der Frage "Israels Beziehungen zur BRD".
Günther Grass wird von Golda Meir zu einem langen Gespräch
empfangen. In drei Veranstaltungen im Rahmen der Kulturwoche
kommt es zu heftigen Störungen. Teddy Kollek, Bürgermeister
von Jerusalem, verurteilt die Gewalttaten einiger Demonstranten.
Jesco von Puttkamer sieht in der Kulturwoche weder einen Erfolg
noch einen Fehler; er fühlt sich aber verletzt, weil
man ihn und Grass als Faschisten und Nazis beschimpft habe.
Grass zieht eine Parallele zwischen den Störungen gegen
den früheren israelischen Botschafter in der BRD durch
linke Gruppen und gegen ihn in Israel durch rechte Gruppen.
Eine Delegation des DIG-Präsidiums unter Leitung von
Benda nimmt im November Gespräche mit der im April gegründeten
IDG auf. Am 17. Dezember wird Heinz Westphal zum DIG-Präsidenten
gewählt.
1970/71
Der im Rahmen der linksorientierten Studentenbewegung agierende
BDIS gerät in ein radikal antizionistisch ausgerichtetes
Fahrwasser und löst sich im Dezember 1971 nach erbitterten
internen Querelen selber auf.
Mai
1972
Erstes deutsch-israelisches Gewerkschaftsjugend-Seminar findet
in Israel statt - mehr als ein Jahrzehnt nach Aufnahme inoffizieller
Beziehungen.
August
1972
DIG-Präsident Westphal verurteilt das neuerliche anti-jüdische
Vorgehen der Sowjetunion, die eine Ausreisesteuer als weitere
diskriminierende Maßnahme gegen die jüdische Minderheit
verfügt hat. Westphal nennt in diesem Zusammenhang frühere
diskriminierende Maßnahmen: Schauprozesse gegen jüdische
Ärzte, Hinrichtung von 24 jüdischen Dichtern im
Jahre 1952, Verurteilung jüdischer Angeklagter wegen
"Wirtschaftsverbrechen" in den 60er Jahren. Trotz
strenger Zensur werden in der Sowjetunion antisemitische Bücher
veröffentlicht, die auf den Deckmantel des "Antizionismus"
verzichten.
September
1972
Anschlag auf Mitglieder der israelischen Olympia-Mannschaft
in München durch ein palästinensisches Kommando.
Nach dem Mord an den israelischen Sportlern ruft die DIG die
deutsche Bevölkerung zu Spenden auf. Mitte Oktober sind
DM 120.000,-- an Spenden eingegangen.
Oktober
1972
Die Freilassung der palästinensischen Terroristen belastet
das deutsch-israelische Verhältnis. Die DIG protestiert
in ihrer Mitgliederversammlung gegen das Vorgehen der Bundesregierung
im Zusammenhang mit der Freilassung der palästinensischen
Terroristen.
Dezember
1972
Die DIG fordert die Bekämpfung des Terrorismus; insbesondere
gelte es, international verbindliche und wirksame Formen zu
finden. Außerdem wird Bundeskanzler Brandt aufgefordert,
ein "klares, helfendes Wort zur Verbesserung der Beziehungen
zu Israel zu sagen".
März
1973
Irritationen im deutsch-israelischen Verhältnis durch
politisch unausgewogene Haltung der Jusos zum Nahostkonflikt.
Protest seitens der DIG.
Juni
1973
Brandt besucht als erster amtierender Bundeskanzler Israel.
Juli
1973
Arafat in Ost-Berlin. Eröffnung eines PLO-Büros.
Mitte
1973
Die israelisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen florieren;
die BRD ist an zweiter Stelle der Handelspartner Israels.
Die Terrorismus-Diskussion wird fortgesetzt. Ein Ergebnis
ist die Einführung eines Visumszwangs für die Angehörigen
aller arabischer Staaten. In der DIG wird zunehmend die innerisraelische
Nahostdiskussion fortgesetzt, die sich aus dem Ergebnis des
Krieges von 1967 entwickelt hat. Innerisraelische Protestbewegungen,
die die israelische Regierung wegen der Besatzungspolitik
und anderer politischer Fragen kritisieren (umstrittene Ansiedlung
von 250 Familien in der Nähe von Hebron; nicht erteilte
Genehmigung von Gesprächen zwischen Nahum Goldmann und
dem ägyptischen Präsidenten Nasser), erhalten einen
unverhältnismäßig großen Rahmen in der
Darstellung. Der Vorsitzende der Parlamentariergruppe, Günther
Metzger, interveniert bei der irakischen Regierung zugunsten
verhafteter irakischer Juden.
Oktober 1973
Ausbruch des Krieges durch einen ägyptisch-syrischen
Angriff. Die ölexportierenden Staaten beschließen
eine Drosselung der Öllieferungen mit dem Ziel, den Rückzug
Israels aus den besetzten Gebieten zu erreichen. Die Bundesrepublik
unterbindet die Verschiffung amerikanischer Waffen, die für
Israel bestimmt sind.
November
1973
Verabschiedung einer zweiten europäischen Nahosterklärung.
Dezember
1973
Genfer Friedenskonferenz unter Beteiligung der Großmächte,
Israels, Ägyptens und Jordaniens.
1973
Gründung eines deutsch-israelischen Komitees zur Förderung
der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit.
Januar
1974
Truppenentflechtungsabkommen zwischen Israel und Ägypten
wird in Genf abgeschlossen. Die DIG ruft bei Ausbruch des
Krieges wie schon 1967 unter dem Motto "Hilfe für
Israel" zu einer Spendenaktion auf. Zeichen praktischer
Solidarität leisten auch andere unabhängige Verbände
sowie einzelne politische Gliederungen (z.B. Bundesland Hessen).
Februar 1974
In Berlin findet die erste Konferenz der europäisch-israelischen
Parlamentariergruppen mit Teilnehmern aus den Mitgliedsstaaten
der EG, Österreichs, Norwegens, Schwedens und der Schweiz
statt. Benda hält am 18. Februar in der Universität
Tel Aviv einen Vortrag zu den deutsch-israelischen und europäisch-israelischen
Beziehungen.
Juli
1974
Yohanan Meroz löst Eliashav Ben-Horin als israelischen
Botschafter ab. Per Fischer wird Nachfolger des deutschen
Botschafters in Israel, Jesco von Puttkamer. Die Deutsche
Forschungsgemeinschaft fördert die "Internationale
Arbeitsgruppe zur Erforschung deutsch-jüdischer Geschichte".
1974
Abschluß eines Partnerschaftsabkommens zwischen dem
Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und der Histadrut Tel Aviv.
Januar
1975
Die DIG hat 1.500 Mitglieder. Gründung der "Jerusalem
Foundation Deutschland e.V.", die sich dem Ziel widmet,
die Aussöhnung von Juden, Muslimen und Christen in Jerusalem
zu fördern.
Mai
1975
11. Abkommen der EG mit Israel.
Juli
1975
Yitzhak Rabin besucht als erster amtierender Ministerpräsident
die BRD. Zehn Jahre diplomatische Beziehungen mit Israel.
Oktober
1975
Erste deutsch-israelische Städtepartnerschaft zwischen
Andernach und Dimona.
November
1975
Beginn des Majdanek-Prozesses in Düsseldorf.
Januar
1976
CDU/CSU-Parlamentariergruppe in Israel.
Herbst
1976
Abkommen über Lehreraustausch zwischen Berlin und Israel;
Schüler-Studienfahrten seit 1960.
November
1976
Botschafter Meroz bleibt der Mitgliederversammlung der DIG
fern - aus Verärgerung über die "Einmischung"
der DIG in die israelische Innenpolitik. Der Disput findet
Echo in der überregionalen Presse. Jerusalem-Ausstellung
in Berlin: Erich Lüth wird für seine vor 25 Jahren
gestartete Aktion "Friede mit Israel" geehrt.
Dezember
1976
Parlamentarier aus den westeuropäischen Ländern
tagen mit dem Europäischen Komitee des Weizman-Institute
of Science. Fragen der Nutzung von Sonnenenergie und Neue-rungen
im naturwissenschaftlichen Unterricht stehen im Mittelpunkt
der Beratungen. Das Institut für Deutsche Geschichte
in Tel Aviv veranstaltet ein Symposium zum Thema "Juden
und jüdische Aspekte in der deutschen Arbeiterbewegung
1848-1918".
Februar
1977
Das Zusatzprotokoll zum Handelsabkommen von 1975 wird von
der DIG begrüßt. Besonders gefördert werden
soll die wirtschaftliche Zusammenarbeit in Industrie, Handel
und Landwirtschaft.
Mai
1977
Der Vertrag über Investitionsförderung zwischen
der Bundesrepublik Deutschland und Israel wird ratifiziert.
Ziel ist, deutsche Kapitalanlagen in Israel zu fördern.
Juni
1977
In der dritten europäischen Nahosterklärung wird
das Selbstbestimmungsrecht für die Palästinenser
gefordert. Unterschlagungen in der DIG verursachen eine ernsthafte
finanzielle Krise, die die politischen Differenzen ebenfalls
zuspitzt. Am 13. Mai wird Erik Blumenfeld Nachfolger von Heinz
Westphal als Präsident der DIG. Der Geschäftsführer
der DIG, Dr. Bernstein, zieht aus den gegen ihn erhobenen
politischen Vorwürfen die Konsequenzen. Rendtorff hält
den politischen Meinungspluralismus in der DIG für gefährdet
und lehnt eine Kandidatur für das Präsidium ab.
Benda und Eckert verzichten auf eine erneute Kandidatur. Rendtorff
verlässt die Gesellschaft und wird Vorsitzender einer
neuen Gruppierung unter dem Namen "Deutsch-Israelischer
Arbeitskreis für Frieden im Nahen Osten e.V.". Die
deutsch-israelische Schulbuchrevision wird nach jahrelangem
Stillstand wieder aufgenommen. Das Georg-Eckert-Institut trifft
die Vorbereitungen für die konkreten Beratungen. Annemarie
Renger wird die Vorsitzende der Israelisch-Deutschen Parlamentariergruppe
im Deutschen Bundestag. Stellvertreter: Jürgen Wohlrabe
und Detlef Kleinert. Klaus Schütz löst Per Fischer
als deutscher Botschafter in Israel ab.
Oktober
1977
Entführung eines französischen Verkehrsflugzeugs
durch palästinensische und deutsche Terroristen nach
Uganda: Beklemmende "Selektionspraktiken" des Deutschen
Winfried Böse. Geiselbefreiung in Entebbe. Die deutsche
Öffentlichkeit bringt dem israelischen Vorgehen spontane
Sympathie entgegen. Antisemitische Vorgänge an der Bundeswehrhochschule
München; die DIG weist auf die negativen Folgen für
die bisher geleistete Vertrauensarbeit zwischen Deutschen
und Israelis hin und verlangt eine Prüfung der Vorgänge,
die disziplinarisch geahndet werden. 81.600 Bundesbürger
als Touristen in Israel.
November
1977
Der ägyptische Staatspräsident Anwar el Sadat spricht
vor dem israelischen Parlament. 1978 Friedensverhandlungen
zwischen Israel und Ägypten werden aufgenommen.
Juni
1967
Werner Nachmann, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in
Deutschland, äußert sich in einem Grundsatzartikel
über das Zusammenleben von Deutschen und Juden. Deutsch-Israelische
Konferenz in Netanya.
Januar 1978
Die Ben-Gurion-Universität zu Beer-Sheva lädt Teilnehmer
aus Israel, den USA und der Bundesrepublik zu einem Martin-Buber-Symposium
ein. Gollwitzer problematisiert den Zionismusansatz Bubers
im Hinblick auf die Besatzungspolitik und löst damit
Empörung bei den israelischen Zuhörern aus.
Februar
1978
Die Israelisch-Deutsche Parlamentariergruppe der Knesset konstituiert
sich und vereinbart Kontakte mit der Partnergruppe des Deutschen
Bundestages. Vorsitzender ist Moshe Meron.
März
1978
Abschluss des Camp David-Vertrages; Unterzeichnung durch Carter,
Begin und Sadat. Die deutsche Gruppe im Parlamentarischen
Rat der europäischen Staaten befasst sich mit dem Thema
"Was erwartet Israel von Europa?" Die DIG fragt
bezüglich Waffenlieferungen in das Spannungsgebiet Nahost
an.
Mai
1978
Die DIG lädt zu einer Feierstunde "30 Jahre Israel"
in den Großen Sendesaal des Westdeutschen Rundfunks
ein. Außerdem finden regionale Veranstaltungen in Hamburg,
München, Wiesbaden und anderen Städten statt.
September
1978
Die "Deutsch-Israelische Konferenz" tagt in Bonn
zum Thema "Die deutsch-israelischen Beziehungen im Wandel".
November
1978
Des Jahrestages der sog. "Reichskristallnacht" wird
in zahlreichen Städten gedacht.
Januar 1979
Die Ausstrahlung des Films "Holocaust" löst
eine breite öffentliche Diskussion über die deutsche
Vergangenheit aus.
März
1979
Der Deutsche Bundestag debattiert über die Verjährung
von Mord und Nazi-Verbrechen. Bundeskanzler Helmut Schmidt
äußert sich über sein Verhältnis zum
Judentum und zum Staat Israel. Die Ben-Gurion-Universität
Beer Sheva errichtet ein Konrad-Adenauerhaus. Die DIG übernimmt
die Schirmherrschaft. Die Technische Universität Berlin
richtet ein wissenschaftliches Zentrum zur Erforschung des
Antisemitismus ein; Leiter wird Prof. Dr. Herbert A. Strauss.
April
1979
Abstimmung in der Knesset über den Friedensvertrag mit
Ägypten (95 Ja-Stimmen, 18 Nein-Stimmen, 3 Enthaltungen).
Juni 1979
Vierte Nahosterklärung der EG. Verteidigungsminister
Hans Apel eröffnet eine Fotodokumentation "Von Land
Palästina zum Staat Israel - eine Region im Wandel"
in der Bundeswehrhochschule Hamburg.
Juli
1979
Dritte Verjährungsdebatte im Deutschen Bundestag. Die
Verjährung für Mord wird aufgehoben. In Wien findet
ein Treffen zwischen Willy Brandt, Vorsitzender der Sozialistischen
Internationale, Bruno Kreisky, österreichischer Bundeskanzler,
und PLO-Chef Yassir Arafat statt. Diese Begegnung wird in
Israel heftig kritisiert. Dem Protest Israels gegen das Zusammentreffen
europäischer Politiker mit dem PLO-Chef Arafat schließt
sich auch ein bedeutender Teil der deutschen Öffentlichkeit
an. Die DIG kritisiert die Rolle Brandts unter dem Gesichtspunkt
der deutsch-israelischen Beziehungen.
Oktober
1979
Die deutschsprachigen Freundschaftsligen mit Israel (DIG,
Österreichisch-Israelische Gesellschaft, Gesellschaft
Schweiz-Israel) treffen sich in Freiburg zu gemeinsamen Beratungen.
Die Drei-Länder-Treffen werden für eine Reihe von
Jahren zu einer ständigen Einrichtung. Die "Hochschule
für jüdische Studien" in Heidelberg nimmt nach
ihrer Gründung den Lehrbetrieb mit dem Wintersemester
1979/80 auf.
November
1979
Die "Deutsch-Israelische Konferenz" erörtert
in ihren Beratungen die Themen: Siedlungspolitik; Die Haltung
der BRD zum Palästinenserproblem; Die "besonderen
Beziehungen" zwischen Deutschland und Israel.
zum
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1980-1989
Januar 1980
Synodalbeschluss der Evangelischen Kirche im Rheinland zum
Verhältnis zwischen Deutschland und Israel. Die DIG protestiert
gegen ein Treffen zwischen Bundestagsabgeordneten und PLO-Vertretern.
Februar
1980
Am 26. Februar veröffentlicht die DIG einen Aufruf unter
dem Titel "Ein Ereignis von historischer Tragweite"
in drei überregionalen Tageszeitungen. Dieser Aufruf
anlässlich der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen
Israel und Ägypten wird von zahlreichen Prominenten unterzeichnet.
April
1980
Erik Blumenfeld wird mit der "Honorary Fellowship"
der Ben-Gurion-Universität Beer-Sheva ausgezeichnet.
In Hamburg wird ein Heinrich-Heine-Haus eröffnet. Die
Deutsche Sporthilfe stiftet eine Kunststoffbahn für das
Leichtathletikstadion in Tel Aviv. Prof. Lämmer, Mitglied
des Präsidiums, setzt sich für die Ausweitung der
deutsch-israelischen Sportbeziehungen ein. Grundsteinlegung
für das "Haus Frankfurt" in Tel Aviv.
Juli
1980
Fünfte Nahosterklärung der EG mit der Forderung,
die PLO in den Verhandlungsprozess um eine Friedenslösung
einzubeziehen. Außerdem wird die israelische Siedlungspolitik
als schwieriges Hindernis auf dem Wege zu einem Friedensprozess
bezeichnet.
Juli
1980
Die DIG kritisiert die fünfte Nahosterklärung der
EG. Spendenaktion der DIG zugunsten des von Teddy Kollek geplanten
Arabischen Gesundheitszentrums in Jerusalem "Scheich
Jarach".
Oktober
1980
Walter Hesselbach wird als erster Europäer mit dem Golda-Meir-Preis
ausgezeichnet. November 1980 Deutsch-Israelische Konferenz
in Bonn.
April
1981
Besuch von Bundeskanzler Helmut Schmidt in Saudi-Arabien.
In Israel verfolgt man das Verhalten der BRD sehr kritisch.
Vor dem Hintergrund einer breiten öffentlichen Diskussion
lehnt der Bundeskanzler den gewünschten Waffenhandel
mit Saudi-Arabien ab.
1980/1981
Mit mehr als 155.000 deutschen Touristen pro Jahr in Israel
stand die Bundesrepublik an zweiter Stelle nach den USA.
1981
Diskussionen über deutsche Waffenlieferungen. Die DIG
interveniert mit warnenden Appellen.
Mai
1981
Ministerpräsident Menachem Begin greift den deutschen
Bundeskanzler wegen einiger problematischer Äußerungen
und Vergleiche in außergewöhnlich scharfer Form
an. Dabei bezieht er sich auf die deutsche Vergangenheit und
die daraus entstandene Schuld, die zu vergeben er nicht bereit
sei. Die in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung pro-israelische
Haltung leidet durch die Kontroverse: Die Angriffe Begins
finden in der israelischen Bevölkerung ein erstaunlich
breites Echo.
Juni
1981
Die israelische Luftwaffe bombardiert den im Bau befindlichen
Atomreaktor in Osirak, nahe Bagdad. Die westeuropäischen
und amerikanischen Regierungen kritisieren Israel; die Bundesrepublik
äußert sich "betroffen und bestürzt"
über das israelische Vorgehen.
Mai
1981
Begins Attacke gegen Schmidt wird von der DIG zurückgewiesen.
Dr. Niels Hansen wird deutscher Botschafter in Israel und
löst Klaus Schütz ab.
Juli
1981
Die Regierungskoalition unter Führung von Ministerpräsident
Begin gewinnt die Wahlen zur Knesset.
Juli
1981
Yohanan Meroz wird von Yitzhak Ben-Ari als israelischer Botschafter
in Bonn abgelöst.
November
1981
Deutsch-Israelische Konferenz mit den Themen: - Nahostkonflikt
- Deutsche Waffenlieferungen - Wirtschaftsfragen - Jugend-
und Kulturaustausch. Eine Schulklasse aus Hochdahl sucht den
Kontakt zu Israelis über einen Leserbrief an die Jerusalem
Post. Aus dieser Initiative entsteht die Zusammenfassung "Briefe
an junge Deutsche".
April
1982
Gemäß dem israelisch-ägyptischen Friedensabkommen
wird das Gebiet des Sinai geräumt und an Ägypten
zurückgegeben.
Juni
1982
Besuch des deutschen Außenministers Hans-Dietrich Genscher
in Israel. Am 6. Juni erklärt der Sprecher des Kabinetts
den Beschluss der Regierung, eine militärische Aktion
unter der Parole "Frieden für Galiläa"
gegen die vom Libanon aus operierenden PLO-Einheiten durchzuführen.
Die europäischen Außenminister fordern zur Einstellung
der militärischen Auseinandersetzung auf und verlangen,
die territoriale Integrität und Souveränität
des Libanon wieder herzustellen.
Juni
1982
In der Bundesrepublik wird der Libanon-Krieg zum Auslöser
eines veränderten Bildes Israels. Neben sachgemäßer
Kritik entwickeln sich zunehmend verzerrte Formen der Anklage
- bis hin zum Vergleich der Nazi-Verbrechen mit den Aktionen
der Israelis im Libanon. Immer häufiger wird von Freunden
Israels, die auch nicht von der richtigen Handlungsweise Israels
überzeugt sind und nicht in jedem Vorgang ein geeignetes.
Mittel zur Überwindung der Konfliktsituation in Nahost
sehen, die Frage gestellt, ob nicht der Antisemitismus unter
dem Vorzeichen eines vermeintlich modernen Antizionismus ein
neues Wirkungsfeld erhalten hat.
September
1982
Massaker in den Palästinenserlagern Sabra und Shatila.
September1982
Nach den Massakern in den palästinensischen Flüchtlingslagern
erreicht die antiisraelische Stimmungslage einen Höhepunkt.
November
1982
6. Deutsch-Israelische Konferenz. Zum Libanonkrieg werden
die kontroversen Auffassungen zu dem militärischen Engagement
von den israelischen Teilnehmern aufgegriffen.
Februar 1983
Außenminister Yitzhak Schamir besucht die BRD.
März
1983
Der gewählte Bundeskanzler Helmut Kohl hebt in seinen
ersten Stellungnahmen hervor, dass er an einer Verbesserung
der deutsch-israelischen Beziehungen mitarbeiten will.
Februar
1983
Der Bann der deutschen Sprache wird in den staatlichen Medien
aufgehoben. Das Fernsehen strahlt Feuchtwangers "Geschwister
Oppermann" in Originalfassung aus. Richard Wagner und
Richard Strauß bleiben tabu.
1983
Der avisierte Besuch von Bundeskanzler Kohl in Israel veranlasst
die DIG, zu sensibler Vorbereitung des Treffens zu raten und
auch auf europäischer Ebene den besonderen deutsch-israelischen
Beziehungen Ausdruck zu verleihen. Die DIG würdigt die
Untersuchung des Massakers an Palästinensern durch eine
israelische Untersuchungskommission. Die Auswirkungen des
Libanon-Krieges auf den deutsch-israelischen Jugendaustausch
erweisen sich in 1983 nicht als nachhaltig. Gestiegen ist
das Bedürfnis, mit Israelis zu diskutieren und auch kritische
Positionen an israelischer Politik zu formulieren. Das SS-Kameradschaftstreffen
in Bad Hersfeld löst eine Diskussion über die Legitimität
von Veranstaltungen aus, deren Ziel es ist, einer Verherrlichung
und Verfälschung der deutschen Geschichte Vorschub zu
leisten.
Mai
1983
Die Bundesregierung begrüßt das israelisch-libanesische
Abkommen über den Rückzug der Truppen als "wichtigen
Schritt, um den Abzug aller fremden Truppen aus dem Libanon
zu erreichen und die Souveränität und Einheit des
Landes wiederherzustellen."
Mai
1983
Anlässlich des 35. Jahrestages der Gründung des
Staates Israel lädt die DIG in den Großen Sendesaal
des NDR in Hamburg ein.
August
1983
Ministerpräsident Begin tritt von seinem Amt zurück.
Der geplante Israel-Besuch des deutschen Bundeskanzlers wird
verschoben.
September
1983
Yitzhak Schamir übernimmt das Amt des Ministerpräsidenten.
August
1983
Die DIG ist Träger der Ausstellung "Faszinierendes
Israel", die sechs Wochen lang im Frankfurter Flughafen
gezeigt wird. Bei der Ausstellung handelt es sich um die umfangreichste
Präsentation, die bis dahin außerhalb Israels gezeigt
worden ist. Zur Eröffnung kommt Minister Dr. Josef Burg
nach Frankfurt. Über 150.000 Menschen sehen die Ausstellung.
1983
Ausstellung deutscher Expressionisten in Tel Aviv.
November
1983
Die 7. Deutsch-Israelische Konferenz in Israel befasst sich
schwerpunktmäßig mit deutschen Waffenlieferungen
nach Saudi-Arabien. Erstmals ist eine Anzahl israelischer
Jugendlicher, die sich als Jugendforum der IDG verstehen,
an den Beratungen beteiligt
Januar
1984
Bundeskanzler Kohl unternimmt einen mehrtägigen Staatsbesuch
in Israel. Schwerpunkte der Gespräche sind mögliche
deutsche Waffenlieferungen an Saudi-Arabien. Kohl hat bei
seinen Besuchen in mehreren arabischen Staaten im Herbst 1983
wiederholt auf die Priorität israelischer Sicherheitsinteressen
verwiesen. Kohls umstrittene Äußerung zur "Gnade
der späten Geburt" löst heftige Debatten zur
angemessenen Aufarbeitung der Vergangenheit aus.
August
1984
Die Wahlen in Israel bringen keine eindeutige Mehrheit. Es
kommt zur Bildung einer "Regierung der nationalen Einheit".
Sommer
1984
Erstmals finden fachspezifische Israel-Reisen mit Teilnehmern
der Freundschaftsgesellschaften aus Österreich, der Schweiz
und der Bundesrepublik auf Einladung der World Zionist Organization
statt. Diese Reisen sollen jährlich mit wechselnden Zielgruppen
fortgesetzt werden. Zielgruppen 1984: Regionalparlamentarier;
Vertreter aus Wirtschaft und Verbänden; Lehrer.
November
1984
Die 8. Deutsch-Israelische Konferenz befaßt sich mit:
Deutsch-israelischen Wirtschaftsfragen; Gesetzgebung zur Auschwitzlüge;
Jugendbeziehungen. Jugendliche aus beiden Ländern sind
an den Beratungen beteiligt.
Dezember
1984
Eine Delegation der Bundestagsfraktion der GRÜNEN besucht
Israel. Mit einer zunächst geäußerten Ablehnung
von Gesprächen mit offiziellen israelischen Stellen wird
ein wesentlicher Grundsatz deutscher Nahostpolitik ins Gegenteil
verkehrt. Die israelische Öffentlichkeit ist empört
über das selbstherrliche Auftreten junger deutscher Parlamentarier.
1984
Der neu gewählte Vorsitzende der Histadrut, Israel Kessar,
macht seinen ersten Auslandsbesuch in Deutschland
Januar 1985
Die Reise der GRÜNEN wird sowohl innerhalb der Bundestagsfraktion
wie auch in der deutschen Öffentlichkeit kontrovers diskutiert.
Die DIG-Arbeitsgemeinschaft Weser-Ems lädt zu einem Seminar
mit Vertretern der GRÜNEN, Israelis und Deutschen ein,
um eine Standortbestimmung sogenannter fortschrittlicher Kreise
zu unterstützen
Februar
1985
Bundespräsident Richard von Weizsäcker besucht Ägypten
und Jordanien. Israels Staatspräsident Herzog besucht
das Europäische Parlament.
Februar
1985
Die DIG begrüßt das differenzierte Auftreten Weizsäckers
in Ägypten und Jordanien. Verabschiedung der deutsch-israelischen
Schulbuchempfehlungen für die Fächer Geschichte
und Geographie.
Mai
1985
Anlässlich des Staatsbesuchs des amerikanischen Präsidenten
Ronald Reagan in der Bundesrepublik wird ein Gedenken an deutsche
Kriegsopfer - darunter für gefallene SS-Angehörige
- auf einem Soldatenfriedhof in Bitburg geplant. Erst nach
massivem öffentlichem Protest wird auch der Besuch eines
ehemaligen Konzentrationslagers in das Programm aufgenommen.
Die Weizsäcker-Rede zum 8. Mai 1985 findet in Israel
ein außergewöhnlich positives Echo. Zwanzig Jahre
deutsch-israelische Beziehungen.
Mai
1985
20 Jahre deutsch-israelische Beziehungen: In einer Reihe von
Veranstaltungen und Publikationen wird eine Zwischenbilanz
gezogen. Deutscher Botschafter in Israel wird Willi Haas,
er löst Dr. Niels Hansen ab.
Oktober
1985
Bundespräsident Richard von Weizsäcker besucht als
erstes amtierendes deutsches Staatsoberhaupt Israel.
Teddy
Kollek, Bürgermeister von Jerusalem, erhält den
Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, den er für die
Errichtung eines jüdisch-arabischen Jugendzentrums in
Jerusalem stiftet. Die DIG ruft zu einer Spendenaktion zugunsten
des Projekts auf. Die deutsch-israelischen Schulbuchberatungen
werden zum Abschluss gebracht und ihre Ergebnisse veröffentlicht.
November 1985 Die 9. Deutsch-Israelische Konferenz findet
unter Beteiligung der Jugendforen in Israel statt. Erstmals
gibt es eine vorgeschaltete Jugendkonferenz. Die geplante
Aufführung des Theaterstücks "Der Müll,
die Stadt und der Tod" von Rainer Werner Fassbinder löst
wegen antisemitischer Tendenzen öffentlichen Protest
insbesondere der jüdischen Gemeinden aus. Die Aufführung
wird nach massivem Protest zunächst abgesagt. Deutsche
Gerichte werden bemüht, um den Inhalt des Stücks
zu beurteilen. Die Verhinderung der Aufführung bildet
den Auftakt für neue Formen des Antisemitismus.
Frühjahr
1986
Vorgänge mit antisemitischer Prägung (Äußerungen
des CSU-Abgeordneten Fellner, des CDU-Bürgermeisters
Graf Spee und der Jungen Union Erlangen) werden Gegenstand
öffentlicher Debatten über das Verhältnis zu
Juden und der deutschen Vergangenheit. Der Deutsche Bundestag
debattiert in einer Aktuellen Stunde über aufkommenden
Antisemitismus.
April
1986
Erstmalig reist mit Manfred Wörner ein deutscher Verteidigungsminister
zu einem Besuch nach Israel.
Mai
1986
Die DIG feiert ihr 20-jähriges Jubiläum in Berlin.
Juni
1986
Ein Artikel des Historikers Ernst Nolte in der Frankfurter
Allgemeinen Zeitung ("Vergangenheit, die nicht vergehen
will") löst einen Historikerstreit aus. Noltes Versuch,
die NS-Vergangenheit zu relativieren, auszurechnen und zu
verharmlosen, wird sowohl von Fachkollegen wie von der öffentlichen
Meinung zurückgewiesen.
November
1986
Im Rahmen der 10. Deutsch-Israelischen Konferenz wird u.a.
das Thema "Antisemitismus als Mittel der Politik"
diskutiert. Die Lage der Juden in der Sowjetunion wird beraten,
die Einhaltung der Beschlüsse der KSZE von Helsinki wird
gefordert.
März
1987
Erstmals treffen die Fußball-Nationalmannschaften von
Israel und Deutschland in Tel Aviv zu einem Gastspiel zusammen.
Die deutschen Sportler besuchen Yad Vashem. Die sportliche
Dimension tritt gegenüber der politischen Bedeutung teilweise
zurück. Die Deutsch-Israelische Stiftung für Wissenschaft
und Entwicklung wird gegründet. Startkapital in Höhe
von 150 Mio. DM werden von beiden Länderen zu je 50 Prozent
aufgebracht.
April
1987
Mit Chaim Herzog reist zum ersten Mal ein israelischer Staatspräsident
zu einem offiziellen Besuch in die Bundesrepublik. Stationen
sind: Bergen-Belsen, Worms, Berlin und Bonn.
September
1987
Mit militärischen Ehren wird der israelische Verteidigungsminister
Yitzhak Rabin im Bonner Verteidigungsministerium empfangen.
Mit Rabin ist zum ersten Mal ein israelischer Verteidigungsminister
in die Bundesrepublik gekommen.
Oktober
1987
Eine kleine Delegation der GRÜNEN besucht Israel. Die
Abgeordneten bezeichnen sich als "Lernende". Sie
geben Impulse zu einem differenzierteren Israel-Bild.
Januar
1988
Das Europa-Parlament in Straßburg verurteilt in einer
Resolution das israelische Vorgehen gegen palästinensische
Demonstranten im Westjordanland und im Gaza-Streifen.
Februar
1988
Die deutsche Bundesregierung - in der Person von Staatsminister
Helmut Schäfer - warnt Israel mit Blick auf die Palästinenserpolitik
von Premierminister Yitzhak Shamir vor einem Stimmungsumschwung
im Westen zu Lasten Jerusalems.
Frühjahr
1988
Vor dem Hintergrund der Zuspitzung des israelisch-palästinensischen
Konfliktes ("Intifada") entwickelt sich in der Bundesrepublik
eine heftige Israel-Debatte.
1987
Das Goethe-Institut eröffnet eine Dependance in Jerusalem.
März
1988
Im deutschen Bundestag findet eine Aussprache "über
die Lage im Nahen Osten" statt. Was zunächst wie
eine "normale" Debatte aussieht, wird zu einem bewegenden
Ereignis: Redner aller Fraktionen überraschen durch ausgewogene,
den Interessen von Israelis und Palästinensern gerecht
werdende Beiträge, in der der besondere historische Ort
der Debatte stets präsent bleibt.
März
1988
Rudolf Augstein, SPIEGEL-Herausgeber, entwickelt massive Aufrechnungsphantasien,
die wenig hilfreich für eine sachliche Auseinandersetzung
sind.
April
1988
Der stellvertretende israelische Verteidigungsminister Michael
Deckel bezichtigt deutsche die Verdoppelung der Reichweite
irakischer Scud-Raketen Rüstungsspezialisten, betrieben
zu haben. Diplomatische Kreise in Bonn erwidern, die deutschen
Exportbestimmungen für Rüstungsgüter begrenzten
auch den Transfer von Technologie; dies gelte insbesondere
für kriegsführende Staaten.
April
1988
Heinz Galinski, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in
Deutschland erklärt zum 40. Unabhängigkeitstag Israels
u.a. "Eine Welt, die Auschwitz zugelassen hat, verwirkte
das Recht, gegen Israel so vorzugehen, wie es zuweilen in
den Foren der Vereinten Nationen geschieht." "Aktion
Sühnezeichen/Friedensdienste" richtet einen Offenen
Brief "an alle, die in der Bundesrepublik die Nachrichten
aus Israel und in den besetzten Gebieten mit Sorge verfolgen
und sich fragen, was sie tun können".
Mai
1988
Bundestagspräsident Philipp Jenninger unterstützt
während einer dreitägigen Israel-Reise Überlegungen
zur Ausrichtung einer internationalen Nahost-Konferenz unter
der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen. Er betont ferner,
dass die Bundesrepublik Israel auch in schweren Zeiten Unterstützung
signalisieren wolle. Das Segelschulschiff "Gorch Fock"
der Bundesmarine läuft in Haifa ein. Zum ersten Mal besucht
damit eine Einheit der deutschen Bundeswehr offiziell den
jüdischen Staat. In Israels Presse findet der Besuch
nur beiläufige Erwähnung: "Die Unaufgeregtheit
ist das Ereignis", erklärt ein deutscher Diplomat.
November
1988
Die Knesset-Wahlen verstärken die innenpolitische Polarisierung
in Israel: Es bildet sich eine Große Koalition aus Likud
und Arbeiterpartei. In Algier proklamiert der Palästinensische
Nationalrat den Staat "Palästina" und erkennt
erstmals die UN-Resolutionen 242 und 338 an, in denen u.a.
das Existenzrecht Israels garantiert wird. Staatsminister
Helmut Schäfer droht Israel mit dem Entzug von Entwicklungshilfe,
falls die israelische Politik gegenüber den Palästinensern
zu einer weiteren "Radikalisierung" führen
werde. Die DDR-Regierung lädt erstmals offiziell Repräsentanten
des Staates Israel, darunter den ehemaligen Innen- und Religionsminister
Josef Burg, zur Teilnahme an Gedenkfeiern zum Novemberpogrom
von 1938 ein.
November1988
Hildegard Hamm-Brücher, außenpolitische Sprecherin
der FDP-Bundestagsfraktion, kritisiert nachdrücklich
die Forderung ihres Parteikollegen Jürgen Möllemann
nach Anerkennung des von der PLO ausgerufenen Palästinenserstaates.
Dezember
1988
Benjamin Navon löst Jitzhak Ben-Ari als Botschafter ab.
Januar
1989
Kurt Löffler, DDR-Staatssekretär für Kirchenfragen,
reist zu einem halboffiziellen Besuch nach Israel; eine "Normalisierung"
des bilateralen Nicht-Verhältnisses bleibt aus.
April
1989
Schwerpunkt der 12. Deutsch-Israelischen Konferenz ist "40
Jahre Bundesrepublik Deutschland", DIG und IDG äußern
ihre Besorgnis über "erkennbare Fremdenfeindlichkeit
mit einem Trend zum Rassismus" in der Bundesrepublik.
Gewarnt wird auch vor "antisemitischen und antiisraelischen
Tendenzen am linken Rand des Spektrums".
Oktober
1989
Bassam Abu Sharif, politischer Berater Yassir Arafats, wird
von Jürgen Sudhoff, Staatssekretär im Auswärtigen
Amt, zu einem Gespräch empfangen. Es ist der erste offizielle
Kontakt eines hochrangigen PLO-Vertreters mit einem Repräsentanten
der Bundesregierung. Die Aufwertung der PLO - ein Jahr nach
dem palästinensischen Beschluss von Algier zur Anerkennung
des Staates Israel - wird von der israelischen Botschaft in
Bonn bedauert.
November
1989
Nach der Öffnung der DDR-Grenzen regen sich in der israelischen
Gesellschaft Ängste vor einer deutschen Wiedervereinigung.
Eindeutig doppeldeutig erklärt Ministerpräsident
Shamir: "Die deutsche Wiedervereinigung ist nicht unsere
Sache." In der Zeitung Jediot Achronot heißt es
u.a.: "Vielleicht ist Deutschlands Wiedervereinigung
und Weg zur Führung Europas unvermeidlich, aber bitte
nicht in dieser Generation."
Dezember
1989
Das Thema "Deutsche Wiedervereinigung" führt
zu einem schroffen Briefwechsel zwischen Ministerpräsident
Shamir und Bundeskanzler Kohl: Auf die Erklärung Shamirs,
von einem wiedervereinigten Deutschland gehe eine "tödliche
Gefahr für die Juden" aus, antwortet Kohl, wie anderen
Völkern auch dürfe dem neuen demokratischen Deutschland
die Selbstbestimmung nicht verwehrt werden.
zum
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1990-1996
Februar
1990
Der israelische Außenminister Mosche Arens erklärt
nach einem Deutschland-Besuch, die Vereinigung beider deutscher
Staaten sei "unabänderlich und möglicherweise
eine Sache von Monaten"; die Welt habe von einem demokratischen
Deutschland nichts zu befürchten.
März
1990
In einem Brief des DDR-Ministerpräsidenten Lothar de
Maiziére an den israelischen Ministerpräsidenten
Yitzhak Shamir heißt es u.a.: "Die DDR anerkennt
die Verantwortung des gesamten deutschen Volkes für die
Vergangenheit. Diese ergibt sich aus der tiefen Schuld des
Hitlerfaschismus, der im Namen des deutschen Volkes schlimmste
Verbrechen am jüdischen Volk begangen hat (...). Die
DDR anerkennt ihre humanitäre Verpflichtung gegenüber
den Überlebenden des jüdischen Volkes, die unter
Naziunterdrückung gelitten haben, und bekräftigt
ihre Bereitschaft zur solidarischen materiellen Unterstützung
ehemaliger Verfolgter des Naziregimes jüdischer Herkunft."
März 1990 In Ost-Berlin wird die Gründung einer
"Gesellschaft DDR-Israel" bekannt gegeben. Sie will
nach eigenen Angaben zur Verständigung und Zusammenarbeit
zwischen beiden Staaten beitragen.
April
1990
Ein vereintes Deutschland wird nach Überzeugung von Bundeskanzler
Kohl ein Freund Israels sein. "Der Staat Israel und ein
vereintes Deutschland werden ihre Zusammenarbeit auf ein breites
Fundament gemeinsamer Überzeugungen stützen können,
wie es auch schon den Beziehungen zwischen Israel und der
Bundesrepublik zugrunde lag. Beide Länder sind den gleichen,
auf Demokratie und Recht beruhenden Werten der westlichen
Welt verpflichtet", heißt es in einem Schreiben
Kohls an die jüdische Organisation B'nai Brith International
in Washington. Die Abgeordneten der erstmals frei gewählten
DDR-Volkskammer erklären: "Wir bitten die Juden
in aller Welt um Verzeihung. Wir bitten das Volk in Israel
um Verzeihung für Heuchelei und Feindseligkeit der offiziellen
Politik gegenüber dem Staat Israel und für die Verfolgung
und Entwürdigung jüdischer Mitbürger auch nach
1945 in unserem Land (...). Wir erklären, uns um die
Herstellung diplomatischer Beziehungen und um vielfältige
Kontakte zum Staat Israel bemühen zu wollen." April
1990 Das Philharmonische Orchester Berlin inszeniert mit den
israelischen Philharmonikern in Tel Aviv ein gemeinsames Konzert.
Schirmherren der Veranstaltung sind die Präsidenten beider
Staaten.Otto von der
Gablentz wird deutscher Botschafter in Israel, er löst
Willi Hass ab.
Juni 1990
Die Präsidentinnen der beiden deutschen Parlamente, Bundestagspräsidentin
Rita Süssmuth und Volkskammerpräsidentin Sabine
Bergmann-Pohl, reisen zu einem offiziellen Besuch nach Israel.
Eines ihrer zentralen Anliegen ist es, israelische Bedenken
gegen die bevorstehende deutsche Einheit zu zerstreuen.
Juli 1990
Der israelische Parlamentspräsident Dov Shilanski erklärt
im israelischen Rundfunk, Juden und Deutsche trennten weiterhin
"Berge von Asche und Knochen"; die freie Welt solle
vor Deutschland auf der Hut sein. Die israelische Regierung
betont, Schilanski habe nicht als Parlamentspräsident,
sondern als Überlebender gesprochen. Die bereits paraphierten
Abkommen über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen
zwischen der DDR und Israel können aufgrund des fortgeschrittenen
Prozesses der deutschen Vereinigung nicht mehr unterzeichnet
werden. Die DDR gibt keine definitive Zusage mehr über
die Zahlung von Wiedergutmachungsleistungen an Israel.
Mai
1990
Zum 25. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen
zwischen Israel und der Bundesrepublik Deutschland stellt
die Jerusalem Post fest: "Die Bundesrepublik ist nach
den Vereinigten Staaten unser bester Freund." Die 13.
Deutsch-Israelische Konferenz berät die Perspektiven
der Friedensbemühungen im Nahen Osten und die Auswirkungen
der deutschen Vereinigung auf die deutsch-israelischen Beziehung.
Erstmals sind Teilnehmer aus der DDR beteiligt.
September
1990
Der Leiter der israelischen Einwanderungsbehörde, Simcha
Dinitz, schlägt vor, Deutschland und die USA sollten
die Ansiedlung sowjetischer Juden in Israel mit bis zu vier
Milliarden Dollar unterstützen. Die Deutschen seien für
"die größte Tragödie des jüdischen
Volkes" verantwortlich. "Warum sollten sie nicht
auch an der größten Rettungsaktion beteiligt sein?"
Dezember
1990
Die ersten gesamtdeutschen Bundestagswahlen bestätigen
die Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP.
Dezember
1990
Die Mitglieder der Gesellschaft DDR-Israel beschließen,
mit Wirkung zum 31. Januar 1991 der Deutsch-Israelischen Gesellschaft
beizutreten.
Januar
1991
Die Bundesregierung verurteilt die irakischen Raketenangriffe
auf Israel, übt aber Zurückhaltung gegenüber
der alliierten "Operation Wüstensturm" im Persischen
Golf. Außenminister Hans-Dietrich Genscher reist zu
einem Solidaritätsbesuch nach Israel und kündigt
eine "humanitäre Soforthilfe" Deutschlands
in Höhe von 250 Millionen DM an; sein ihn begleitender
Amtskollege, Entwicklungshilfeminister Carl-Dieter. Spranger,
überreicht zur Unterstützung der von Raketeneinschlägen
getroffenen Städte Tel Aviv und Ramat Gan einen Scheck
in Höhe von 5 Millionen DM; das Wort von der "Scheckbuchdiplomatie"
macht die Runde. Der Verstrickung deutscher Firmen begegnet
die Bundesregierung nur halbherzig. Die Justiz wird erst auf
Druck von außen oder aufgrund journalistischer Recherchen
gegen einzelne Rüstungsexporteure tätig. Die deutsch-israelischen
Beziehungen erreichen einen Tiefpunkt; der Versuch der Schadensbegrenzung
gelingt nur in Ansätzen. Ab Dezember erscheint das DIG-Magazin
und löst die seit 1968 erscheinenden DIG-Informationen
ab, die von Mitte 1988 bis Mitte 1990 in Kooperation mit dem
Israel-Journal herausgegeben wurden.
Januar
1991
Die Süddeutsche Zeitung veröffentlicht Ergebnisse
einer repräsentativen Meinungsumfrage. Israel befindet
sich in der Liste der Negativnennungen mit 32 Prozent, noch
vor China 26 Prozent, an der Spitze. Am 14. Januar (15.1.
Ablauf des Ultimatums) beschließt die DIG, Ende Januar
einen Solidaritätsbesuch anzutreten. In der Zeit vom
29.1. bis 5.2. führt die Delegation Gespräche in
Jerusalem, Tel Aviv und Haifa. Eine Bundestagsdelegation und
weitere Repräsentanten aus Poltik und Kultur demonstrieren
durch kurzfristige Israel-Besuche ihre Solidarität mit
dem jüdischen Staat In Deutschland demonstrieren Zehntausende
unter dem Motto "Kein Blut für Öl". Prostestiert
wird gegen die alliierten Streitkräfte, die Kuwait von
der irakischen Besatzung befreien wollen. Die Friedensbewegung
fordert einen sofortigen Waffenstillstand. Die Bedrohung des
nicht in den Krieg involvierten Israel wird auch bei einer
zentralen Kundgebung in Bonn ignoriert. Solidarität mit
Israel wird nur von wenigen Demonstranten zum Ausdruck gebracht.
Die Friedensbewegung gerät in eine erbitterte Auseinandersetzung
und spaltet sich in "Pazifisten" und "Bellizisten".
Die Debatte setzt sich bei den GRÜNEN fort. In Israel,
das von Raketenangriffen bedroht ist, entwickelt sich Zorn
angesichts der erneuten Konnotation von "Deutschen"
und "Gas". Die pazifistische Friedensbewegung und
die Rüstungsindustrie wird als unheilige Allianz empfunden.
Die DIG findet in der deutschen Öffentlichkeit großes
Interesse. Zahlreiche Aktivitäten werden von den Arbeitsgemeinschaften
initiiert.
Februar
1991
Das Jugendforum der DIG entsendet eine Delegation nach Israel.
März
1991
Eine öffentliche Diskussion zwischen den Schriftstellern
Günter Grass und Yoram Kaniuk am 7. März in Berlin
wird zum Symbol des gestörten deutsch-israelischen Dialogs:
Während Kaniuk nach den in den Kriegswochen ausgebliebenen
Solidaritätsgesten der deutschen Friedensbewegung fragt,
doziert Grass unbeirrt über die Rechte der Palästinenser
und die Vermeidbarkeit des Golfkrieges. Kaniuk muß aus
Berlin ohne die erhoffte Geste nach Israel zurückkehren.
Die Hauptversammlung der DIG am 10. März steht noch ganz
im Zeichen des gerade zu Ende gegangenen militärischen
Konfliktes am Golf und dessen Auswirkungen auf die deutsch-israelischen
Beziehungen. Hans Koschnick löst den langjährigen
DIG-Präsidenten Erik Blumenfeld als Präsident ab.
September 1991
In Berlin wird ein israelisches Konsulat eröffnet. Sein
Leiter, Konsul Mordechai Levi, bezeichnet es als eine Hauptaufgabe
seines Büros, in Kooperation mit den Kultusministerien,
Universitäten, Schulen und Kirchen die in den fünf
neuen Bundesländern bestehenden Informationslücken
über Israel zu schließen.
Oktober
1991
Deutsch-Israelische Konferenz in Berlin mit den Themen: -
Einwanderung russischer Juden - Friedensperspektiven im Nahen
Osten - Folgen der Wiedervereinigung - Golfkrieg und deutsch-israelische
Beziehungen. Die Israelis vertreten die Auffassung, daß
Deutschland kein Einwanderungsland für Juden aus Osteuropa
sein sollte. Eine Delegation des DIG-Jugendforums aus Ost-
und Westdeutschland reist nach Israel .
1991
Im Verlauf des Jahres 1991 werden in den neuen Bundesländern
die ersten Arbeitsgemeinschaften der DIG gegründet (Dresden,
Rostock, Leipzig und Erfurt).
Januar
1992
Die Hauptversammlung der DIG gedenkt des 50. Jahrestages der
Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942. Die DIG begrüßt,
daß in der Wannsee-Villa eine Gedenkstätte errichtet
wurde, die ein Ort des Erinnerns und des Lernens sein soll.
Laut einer SPIEGEL-Umfrage ist jeder achte Deutsche ein Antisemit.
Die Mehrheit der Deutschen empfindet keine besondere Verantwortung
gegenüber Juden. Eine parallele Erhebung in Israel ergibt,
daß ein knappes Viertel der Israelis eine Versöhnung
mit den Deutschen ablehnt.
Juni
1992
Der knappe Wahlsieg der israelischen Linken löst einen
Regierungswechsel aus. Unter Yitzhak Rabin bildet sich eine
Koalition aus Sozialdemokraten und linksliberalem Bürgerrechtsbündnis
Meretz.
1992
In Chemnitz und Magdeburg werden Arbeitsgemeinschaften der
DIG gegründet. In Rostock bildet sich das erste regionale
Jugendforum der DIG in einem neuen Bundesland.
Oktober 1992
Der israelische Schriftsteller Amos Oz wird mit dem Friedenspreis
des deutschen Buchhandels ausgezeichnet.
Dezember
1992
Erste gemeinsame Erklärung von Deutsch-Arabischer Gesellschaft
und DIG mit dem Ziel, ausländerfeindlichen Entwicklungen
gemeinsam entgegenzutreten.
März
1993
Gründung der Arbeitsgemeinschaft Cottbus.
Mai
1993
Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth betrachtet die
Lichterketten gegen Fremdenhass und Neonazismus in Deutschland
als Indiz dafür, dass sich die Deutschen seit 1945 in
einer stabilen Demokratie verändert hätten.
Mai
1993
15. Deutsch-Israelische Konferenz. Themen sind: -Friedensperspektiven
im Nahen Osten; - deutsch-israelische Beziehungen; - Rechtsextremismus
und Gewalt in der Bundesrepublik Deutschland.
September
1993
Nach zähen Geheimverhandlungen in Oslo kommt es zu dem
historischen Handschlag zwischen Rabin, Arafat und US-Präsident
Bill Clinton: Unterzeichnung der israelisch-palästinensischen
Prinzipienerklärung in Washington.
Oktober
1993
Außenminister Peres und Bundeskanzler Kohl treffen sich
zu einem ausführlichen Gespräch im Bundeskanzleramt.
Peres informiert den Kanzler über den Stand des Friedensprozesses
und erbittet umfassende politische Unterstützung der
Bundesregierung; außerdem wirbt er für ein starkes
Engagement der europäischen Wirtschaft in der nahöstlichen
Region. Shulamit Aloni, Ministerin für Wissenschaft und
Künste, kommt zu einem mehrtägigen Arbeitsbesuch
nach Deutsch land. Ziel der zahlreichen Begegnungen zwischen
der Ministerin und ihren deutschen Gesprächspartnern
aus Politik und Wissenschaft ist die Vertiefung der wissenschaftlichen
Zusammenarbeit zwischen Israel und Deutschland.
Oktober
1993
Kurz nach Unterzeichnung der israelisch-palästinensischen
Prinzipienerklärung findet die 10. Deutsch-Israelische
Jugendkonferenz statt.
November
1993
Die Europäische Union sagt zur Unterstützung des
israelisch-palästinensischen Friedensprozesses Hilfsleistungen
in einer Gesamthöhe von 915 Millionen Dollar zu; ein
Großteil der auf einen Zeitraum von fünf Jahren
projektierten Zusage wird von Deutschland einzulösen
sein.
Dezember
1993
Ministerpräsident Rabin wirbt in Bonn um die Unterstützung
der Bundesrepublik für den Friedensprozess im Nahen Osten
und um eine Verbesserung der wirtschaftlichen Beziehungen
der EU zu Israel.
November
1993
Avi Primor löst Benjamin Navon als Botschafter Israels
in Deutschland ab und ist Gast bei der Hauptversammlung der
DIG. Franz Bertele wird Nacholfger von Otto von der Gablentz
als deutscher Botschafter in Israel.
1993
Zwischen israelischen und deutschen Städten und Gemeinden
existieren mehr als 75 Partnerschaften.
Januar
1994
Das Jugendforum der DIG, die Deutsch-Palästinensische
Gesellschaft und der Arbeitskreis für Frieden im Nahen
Osten begrüßen in Köln mehr als 200 Gäste
aus Anlaß der israelisch-palästinensischen Prinzipienerklärung.
März
1994
Steven Spielbergs Film "Schindlers Liste" läuft
in den deutschen Kinos an und löst lebhafte Diskussionen
aus.
Mai
1994
Allen terroristischen Rückschlägen zum Trotz macht
der israelisch-palästinensische Friedensprozess Fortschritte:
Israel und die PLO unterzeichnen in Kairo das Gaza-Jericho-Abkommen.
August
1994
Die Bundesregierung eröffnet als erstes Land ein Verbindungsbüro
im autonomen Jericho. Der israelische Außenminister
Shimon Peres ruft bei seinem Bonn-Besuch die deutsche Wirtschaft
zu mehr Engagement in seinem Land auf. Er bekundet das israelische
Vertrauen in die deutsche Demokratie und unterstützt
den deutschen Anspruch auf einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat.
Er spricht sich für ein Engagement Deutschlands aus;
dies schließe eine Teilnahme deutscher Blauhelm-Soldaten
an friedenserhaltenden Maßnahmen im Nahen Osten ein.
Für erhebliche Unruhe in Israel hat nach Peres' Worten
die Schändung der KZ-Gedenkstätte Buchenwald gesorgt.
Unvereinbare Meinungsverschiedenheiten existieren hinsichtlich
der Frage des angemessenen Verhältnisses mit dem Iran.
August
1994
Das Urteil des Mannheimer Landgerichts über den NPD-Vorsitzenden
Deckert, wird sowohl von Politikern wie von einer breiten
Öffentlichkeit mit Unverständnis und Kritik aufgenommen.
Die DIG kritisiert die Urteilsbegründung, die geeignet
ist, rechtsradikale Auffassungen gesellschaftsfähig zu
machen.
Oktober 1994
Der Einzug von Bündnis '90/Die Grünen und der SED-Nachfolgepartei
PDS in den Bundestag verschiebt das innenpolitische Kräftegleichgewicht;
doch die christlich-liberale Regierungskoalition kann bei
der Bundestagswahl ihre Mehrheit knapp behaupten.
1994
Die Handelsbeziehungen beleben sich; der Golf Kooperationsrat
kündigt die Beendigung des Boykotts an. Israel und Jordanien
schließen einen Friedensvertrag.
November
1994
Die DIG-Hauptversammlung wählt Manfred Lahnstein zum
Präsidenten. Er löst Hans Koschnick ab, der inzwischen
EU-Administrator in Mostar ist.
Dezember
1994
Bundespräsident Roman Herzog unternimmt seinen ersten
offiziellen Arbeitsbesuch nach Israel. Seine deutlichen Worte
über die Aufarbeitung der Vergangenheit und den Kampf
gegen Fremdenhass und Antisemitismus werden in Israel positiv
aufgenommen.
Dezember
1994
196.000 deutsche Touristen waren in diesem Jahr in Israel.
März
1995
Außenminister Peres wirbt in Bonn für Wirtschaftsprojekte,
die den Friedensprozess untermauern sollen.
März
1995
BDI, DIHT und Nah- und Mittelostverein erklären gegenüber
Finanzminister Schochat, die Kontakte nach Israel und in die
Region verstärken zu wollen. Israel kritisiert die Kontakte
Deutschlands zum Iran. Indiskretionen über die Vermittlung
von Gesprächen über die Freilassung eines israelischen
Gefangenen lösen eine Krise aus. Die DIG hat mehr als
5.000 Mitglieder, die von 44 Arbeitsgemeinschaften, davon
8 in den neuen Bundesländern betreut werden.
Mai
1995
30 Jahre deutsch-israelische Beziehungen. Aus diesem Anlass
findet im Haus der Geschichte in Bonn ein zentrales Symposium
statt.
Mai
1995
Händels"Belsazar" wird in Tel Aviv uraufgeführt
und erweist sich trotz vorheriger Bedenken als großer
Erfolg. Die 16. Deutsch-Israelische Konferenz tagt in Köln.
Zentrale Bedeutung wird dem deutsch-israelischen Verhältnis,
dem Friedensprozess und den kulturellen und wirtschaftlichen
Beziehungen beigemessen. Die Diskussion um die Belange der
jungen Generation, an der Vertreter des israelischen Jugendforums
teilnehmen, hat Priorität.
Juni
1995
Der Besuch Helmut Kohls in Israel stellt eine neue Etappe
im zwischenstaatlichen Dialog dar; der Umgang ist freundschaftlich
und offen.
Juli
1995
Die Außenminister Schimon Peres und Klaus Kinkel eröffnen
den gemeinsamen Deutsch-Israelischen Kooperationsrat für
Hoch- und Umwelttechnologie. Das Gremium soll sich v. a. mit
der angewandten Forschung auf den Gebieten Energie, Bio- und
Umwelttechnik befassen.
September
1995
Ausstellung "Die 'Jeckes' in Israel" wird im Museum
König in Bonn gezeigt. In Jerusalem war sie zuerst 1993
zu sehen, wurde auf Veranlassung der Arbeitsgemeinschaft Bonn
überarbeitet und erweitert. Ausstellungsorte im Jahr
1995 sind u. a. Dessau und Halle. 1996 und 1997 werden die
'Jeckes' in Hamburg, Aachen, Stuttgart und an anderen Orten
zu sehen sein.
Oktober
1995
Rudolf Scharping besucht Israel in seiner Funktion als Parteivorsitzender
der SPD.
November
1995
Bei der Beisetzung des Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin
ist die gesamte deutsche Staatsspitze - Präsident, Bundeskanzler,
Bundestagspräsidentin - mit weiteren Spitzenpolitikern
in Israel vertreten.
Januar
1996
Ezer Weizman besucht als erster israelischer Staatspräsident
Deutschland nach der Wiedervereinigung. Einen zentralen Bestandteil
seines Aufenthaltes bildet der Besuch der neuen Bundesländer
mit den Stationen Sachsenhausen und Leipzig. Besondere Aufmerksamkeit
erregt seine Rede vor dem Bundestag und Bundesrat, in der
er das positive deutsch-israelische Verhältnis auf der
Basis der schwierigen gemeinsamen Vergangenheit würdigt.
Von der Bedeutung, die Präsident Weizmann der hebräischen
Sprache und der Vergangenheit des jüdischen Volkes für
den modernen Staat Israel zuspricht, zeugt die poetische Sprache
und die epochenübergreifenden Bezüge seiner Rede
selbst: "Unstet und flüchtig bin ich, wenn ich den
Spuren meiner Väter folge.... Mit dem Rucksack der Erinnerungen
auf den Schulter und dem Stab der Hoffnungen in den Händen
trete ich auf die Kreuzung der Zeitläufe am Ende des
20. Jahrhunderts...." In ihrer Dankesrede hebt die Bundestagspräsidentin
Rita Süssmuth den Dialog mit den deutschen Juden positiv
hervor. Bundeskanzler Helmut Kohl erhält in München
die "President's Medal for Humanitarianism" der
internationalen jüdischen Hilfsorganisation B'nai B'rith.
Die Laudatio hält Premierminister Schimon Peres. Januar
1996 Gleichstellung von Ausländern bei öffentlichen
Ausschreibungen in Israel. Die Regelung entspricht einem Abkommen
auf Gegenseitigkeit von insgesamt 23 Staaten inklusive der
15 EU-Staaten.
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