Israel und der Nahostkonflikt – selten wird das Land in einem anderen Zusammenhang in den Medien behandelt. Dabei gebe es noch so viel mehr. Um Israel auch einmal unter einem anderen Aspekt vorzustellen, veranstaltete das Deutsch-Israelische Jugendforum sein diesjähriges Herbstseminar zum Thema „Zwischen Aufbruch und Erinnerung – Kunst und Kultur in Israel“ vom 18. bis 20.11. in Hamburg.
Dass auch dieses Thema Gelegenheit zur Diskussion liefert, wurde bereits im einführenden Vortrag des Vorsitzenden des Jugendforums, Hannes Greiling, deutlich. Er stellte die Frage, was eigentlich alles unter „Kultur“ zu verstehen sei. Verschiedenste Definitionen wurden erörtert. Von der Theorie in die Praxis führte der nächste Themenblock: Sivan Schächter studierte mit den Teilnehmern israelische Volkstänze ein. Diese würden in Israel, so betonte sie, nicht nur von der älteren Generation getanzt.
Schächter vermittelte den Anwesenden auch am nächsten Morgen einen Eindruck über israelische Popmusik der letzten drei Jahrzehnte – vom Liebeslied bis zu politischen Songs. Nach einem Grußwort der Vorsitzenden der DIG-AG Hamburg, Waltraud Rubien, berichtete Shimon Levy, Professor der Theaterwissenschaft an der Universität Tel Aviv, über die Entwicklung des Theaters in Israel. Zur Architektur Tel Avivs führte ein Dia-Vortrag von Ita Heinze-Greenberg, die damit Einblicke in die Entstehung und Geschichte dieser Stadt gab.
Zur Haltung gegenüber Kunst und Kultur seitens einer orthodoxen jüdischen Gruppe gab der Hamburger Chabad-Rabbiner Schlomo Bistritzky am letzten Tag des Seminars Auskunft - angesichts des „Bilderverbots“ keine konfliktfreie Beziehung. Er berichtete über eine Entwicklung der letzten Jahre, Kinofilme auch und gerade für ein orthodoxes Publikum zu produzieren, die sich großen Zuspruchs erfreuten. Inhaltlich behandeln diese Filme die Probleme einer streng orthodoxen Lebensführung und werben für eine solche, damit werden sie zu „koscheren“ Filmen. Mit dem Aspekt Kino in Israel befasste sich auch der letzte Seminarpunkt: Nach einem einleitenden Referat Gerlinde Gerbers wurde der Film „Janas Freunde“ gezeigt, der die Problematik der russischen Neueinwanderer auf humoristische Weise behandelt.
Die Reaktion der Seminarteilnehmer in der Schlussrunde machte deutlich, dass gerade das Angebot, Israel einmal nicht unter einem politischen Aspekt vorzustellen, als sehr positiv bewertet wurde.
Ulrike Eichweber