Zwischenruf
Nach 6 Jahren und 8 Monaten kehrt Botschafter Shimon Stein nach Israel zurück. Er hat mit großem Nachdruck die Politik seines Landes in Deutschland vertreten. Mahnend erhob er seine Stimme gegen rechtsradikale, rassistische und anti-semitische Entwicklungen in unserer Gesellschaft. Er redete nicht Jedermann nach dem Munde, er wollte keinesfalls der Liebling aller sein. Er folgte der schlichten Erkenntnis, dass echte Freunde sich die Wahrheit sagen müssen. Dadurch eckte er bei manchen an, diente aber letztlich ehrlichen deutsch-israelischen Beziehungen. Das verschaffte ihm Respekt und moralische Autorität. Die DIG bleibt ihm zu Dank verpflichtet: Für Freundschaft, rastlosen Einsatz auch in den von Berlin entferntesten Regionen unserer Republik, für offene und sehr direkte Gespräche, für vielfältige Ratschläge, auch für Kritik. Für die Zukunft wünschen wir ihm Gesundheit, Glück und Segen.
Stein war der 7. Botschafter Israels in Deutschland: Asher Ben Nathan (1965-1969), Eljashiv Ben Horin (1970-1974), Yohanan Meroz (1974-1981), Jitzchak Ben Ari (1981-1988), Benjamin Navon (1988-1993), Avi Primor (1993-2000) und Shimon Stein (2001-2007). Sie alle waren sehr unterschiedlich in Herkommen, Mentalität und Temperament, ein kleiner Spiegel der sehr bunten israelischen Gesellschaft, sie alle aber waren bedeutende Botschafter und unendlich wichtig für den Auf- und Ausbau der deutsch-israelischen Beziehungen. Israel feiert im Jahre 2008 seinen 60. Geburtstag. Wir wollen Israel feiern. Dazu brauchen wir bald einen Nachfolger Steins.
Die israelische Regierung betont immer wieder, Berlin sei nach Washington der zweitwichtigste Botschafterposten. Drei hervorragende israelische Diplomaten mit guten Beziehungen zu Deutschland und besten deutschen Sprachkenntnissen sind seit kurzem Botschafter in Rom und Paris, demnächst in London. Sie alle hätten auch gut nach Berlin gepasst.
Wir wünschen der israelischen Regierung – wie in der Vergangenheit – eine glückliche Hand bei der Wahl des Botschafters für Deutschland und wir wünschen uns, dass wir bald den neuen Botschafter in Berlin willkommen heißen können.
Denn das Jahr 2008 benötigt einen gut eingeführten israelischen Botschafter in allen Teilen unseres Landes.
von Dr. h.c. Johannes Gerster