Home    Links    Kontakt    Impressum

Berlin/Potsdam: Spannende Begegnungen mit neuen und alten Freunden in Israel

Auf Einladung von DIG Berlin/Potsdam und Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) reisten im Mai/Juni 2007 24 Teilnehmer unterschiedlicher Generationen nach Israel.

Im Mittelpunkt der Reise stand die Begegnung mit alten und neuen Freunden, darunter zahlreiche Persönlichkeiten, die ein Stück israelische Geschichte mit geprägt haben. Höhepunkt war sicher das Treffen mit Gabriel Bach, geboren in Berlin und unglaubliche 80 Jahre jung. Bis 1999 Richter am Obersten Gerichtshof in Jerusalem, war er 1961 auch zweiter Chefankläger im Eichmann-Prozess. Dieser habe dazu geführt, dass die Nazis in Israel erstmals nicht nur als „Monster“, sondern als „ganz normale Menschen“ wahrgenommen wurden, so Bach, was mehr Verständnis für die Opfer geweckt habe. Dass Eichmann als einziger Delinquent in Israel mit dem Tode bestraft wurde, hält Bach bis heute für richtig, da er noch in den 50er Jahren in Argentinien ein Interview gab, in dem er die Untaten der Nazis gerechtfertigt hatte. Die schlimmste Schuld aber habe Eichmann damit auf sich geladen, dass er für den Tod von 1,5 Mio. Kindern verantwortlich sei, die er als „künftige Rächer“ fürchtete.

Beeindruckt war die Gruppe auch von der Führung in Yad Vashem mit Georg Rössler, einem alten Freund des DIG-Jugendforums. Nicht die 6 Millionen Opfer der Shoah, so Rössler, seien für Juden nach dem Krieg die eigentliche Katastrophe gewesen, sondern die Erkenntnis, dass diesmal keine Überlebensstrategie helfen konnte. Mit der Staatsgründung 1948 – Folge des UN-Teilungsplans – zeigten die Zionisten, dass Juden nie mehr auf andere vertrauen und im Zweifel auch gegen die 2Weltmeinung“ agieren würden, wenn der eigene Staat verteidigt werden müsse. Diese Devise gilt wohl bis heute.

Gisela Dachs, seit vielen Jahren ZEIT-Korrespondentin in Israel, kritisierte die unausgewogene Berichterstattung in Europa zugunsten der Palästinenser, die angesichts der Asymmetrie des Konflikts (Miliz gegen Militär) eindeutig im Vorteil seien und dies auch zu nutzen wüssten. Seit sieben Jahren und potenziert seit dem Gaza-Abzug werde die Stadt Sderot von Raketen aus dem schmalen Küstenstreifen beschossen und dennoch beherrschten Schlagzeilen wie Israelische Angriffe auf den Gazastreifen die Schlagzeilen. Die Tragik bestehe darin, dass es auf israelischer Seite „zu wenig“ Tote gebe, um sie medienwirksam „vermarkten“ zu können, zumal man Verstorbene in Israel aus ethischen Gründen nicht zeige.

David Witzthum, Chefredakteur des 1. Israelischen Fernsehens, der einen „Marshall-Plan“ für die Palästinenser vorschlug, in den USA, EU und arabische Staaten einzahlen sollten, zeigte sich optimistisch, dass die dank der kritischen Presse und gründlichen Arbeitsweise des neuen Staatskontrolleurs Micha Lindenstrauss aufgedeckten Skandale zu einer „Reinigung“ der israelischen Politik führen werde. Keiner von uns konnte ahnen, dass wir nur einen Tag später mit Lindenstrauss – auch er Berliner – ins Gespräch kommen würden, der gerade seinen spanischen Amtskollegen durch die Jerusalemer Altstadt führte.

Unvergesslich auch die Treffen mit Colette Avital, Mitglied der Knesset und damals noch Präsidentschaftskandidatin, „Motti“ Levy, früherer Generalkonsul und später Gesandter an der israelischen Botschaft in Berlin, heute „Berater für religiöse Angelegenheiten“ beim Bürgermeister von Jerusalem, mit Günter Zenner, Leiter des Behindertendorfes Kfar Tikva, Ester Golan, die für das Andenken ihrer Eltern streitet, Marianne Karmon, langjährige Vorsitzende der Israelisch-Deutschen Gesellschaft (IDG) in Jerusalem und geborene Berlinerin, sowie mit Ilana Barnea, der neuen Geschäftsführerin der IDG. Deren Präsident, Botschafter a.D. Asher Ben Natan, war aus gesundheitlichen Gründen leider verhindert. Der deutsche Botschafter in Tel Aviv, S.E. Harald Kindermann, warnte Israel in seinem spannenden Vortrag über die bilateralen Beziehungen, die „Macht der Bilder“ im Medienkrieg nicht zu verkennen.

Insgesamt eine aufregende Reise, die trotz des engen Zeitrahmens einige Teilnehmer dazu veranlasste, schon jetzt ihr Interesse für die nächste Rundreise anzumelden. Ein ausführlicher Reisebericht mit vielen Fotos findet sich auf unserer Website www.digberlin.de.

Meggie Jahn

 

Aktuelles

Zum Seitenanfang

© Copyright 2003-2008 Deutsch-Israelische Gesellschaft * last update: 18.01.2008