* * * 60 Jahre Israel * * *
Claudia Korenke
Religiöse Reisen, Trecking-Reisen, Solidaritätsreisen …
Israel braucht Reisende mit Leidenschaft
Nein, es ist kein Sehnsuchtsland, wird nicht gehandelt als „must have“ in den Listen der Zeitschriften … Moment: Tel Aviv, die coole, die niemals schläft? Die exotische Welt unter Wasser in Eilat ...?
Aber man träumt nicht davon, oder? Nicht wie unserer Generation von der Route 66 oder die Jüngeren von Bali. Und dennoch … Jene mit religiöser Bindung, mein geschichtsbesessener Mann und Massada - gilt ihnen nicht auch: „Nächstes Jahr in Jerusalem?“
Die Entschlossenheit eines Staates, fortzubestehen – ist das ein Reisegrund? Schnee im Norden und Wüste im Süden – das ist auch nur Chile, umgekehrt, nicht wahr?
Falsch. Vollkommen: falsch.
Und dann kommt noch die Überwindung der Angst. Ja, sie kommt, immer. Wir fahren Jahr für Jahr. Unmittelbar nach der zweiten Intifada waren wir neun. Heute: das Reisebüro hat Probleme, Busse für 50 Personen zu finden. Da sind ielreisende dabei und Anfänger, die nur mitfahren, weil Freunde …, weil sie der DIG vertrauen ….Jene, die vorher anrufen .. „Aber, Westjordanland? Aber, Sderot?.“ Sie haben recht, und dennoch: Die Überwindung der Angst beginnt auf dem Wege von Ben Gurion in die Stadt. Und beim späten Glas Wein im Strandcafé an der Hayarkon ist sie vollendet.
Die DIG Frankfurt veranstaltet – wie nahezu alle Arbeitsgemeinschaften – Jahr für Jahr Reisen nach Israel. Unsere Reisen, ich spreche nur für Frankfurt, sind voll gepackt mit Programm, weitgehend ohne touristisches Angebot – Bootfahren auf dem See Genezareth haben wir noch nie geschafft - erschöpfen und polarisieren. Und sie bieten nicht einmal den Luxus, aus der Bar-Perspektive teurer Hotels die Dinge in angemessener Distanz Revue passieren zu lassen. Denn: unsere Reisen kosten nicht viel – mit 1000 Euro pro Woche waren bislang alle dabei.
Wir hatten vehemente Diskussionen in den Gruppen: Warum besuchen wir die Siedler? Warum aufwendige Kontrollen in staatlichen Gefängnissen, um mit verurteilten Terroristen zu sprechen? Ist unser Angebot „Eine Kostprobe Hebräisch“ sinnvoll? Unsere Programme zu voll, zu links, zu rechts?
Wir haben bei den Mitreisenden gesät – und Israel erntet: Die Reisenden werden zu Wiederholungstätern. Erobern sich selbst das touristische Dekor, den Strand, das Nachtleben, den Bahai-Tempel, Jaffo, das Tote Meer. Bleiben länger und kommen wieder. Mit oder ohne die DIG.
Außerdem: Ich zum Beispiel kenne in der ganzen großen Stadt Tokio keinen einzigen Menschen. In Israel gibt es das nicht. Sie kennen jemanden, der aus Ihrer Stadt eingewandert ist. Sie kennen Verwandte jener russischen Aussiedler, die jetzt im Norden des Landes leben, Und alle wollen Sie kennen lernen: Weil Sie aus Berlin stammen, woher die Eltern …Weil Sie aus Freiburg im Schwarzwald kommen, wo das israelische Paar jeden Sommer Urlaub macht. Weil am Goetheinstitut in Tel Aviv ganz viele Schüler Deutsch lernen und Sie ein Dialogpartner sind. Weil der deutsche Markt attraktiv ist für Geschäfte, als Förderer israelischer Einrichtungen … weil Sie als Tourist gefragt sind und zum Botschafter werden.
Von der Überwindung der Angst und dem Beginn der Leidenschaft handelt dieser Beitrag. Und er ist nicht vom Israelischen Verkehrsamt finanziert. Fragen Sie Dani Neuman in Berlin.