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* * *    60 Jahre Israel    * * *
 

Konrad Weiß

Eine belastete Beziehung

Israel war für die DDR ein feindlicher Staat, fast bis zuletzt. Deutsche haben den Juden in Israel, zumeist Überlebende der Shoah, wiederum das Lebensrecht abgesprochen und sich mit den Feinden Israels verbündet. Diese Propaganda der SED hat bei vielen in der DDR antisemitische Vorurteile wiederbelebt und genährt. Das wirkt bis heute fort, wie die Empfänglichkeit vieler Ostdeutscher für totalitäre Ideologien zeigt.

Es waren die Kirchen und es waren Einzelne – Künstler, Schriftsteller, Pfarrer, Bürgerrechtler – die sich dem entgegengestellt und versucht haben, ein anderes Israelbild zu vermitteln. Die begriffen haben, dass Israelfeindschaft ideologisch verbrämter Antisemitismus ist und zwangsläufig im Judenhass mündet.

Ich habe es vor allem der Aktion Sühnezeichen zu danken, dass sich mein Israelbild frühzeitig gewandelt hat. Ich hatte 1965 an der ersten Pilgerfahrt junger Deutscher nach Auschwitz teilgenommen. Dort in Birkenau, bei der Ausgrabung der Grundmauern der ersten Vergasungsstätte aus dem Aschefeld, begann ich zu begreifen, welche Verantwortung mir auferlegt ist, auch gegenüber den Juden, auch in der Haltung zum Staat Israel. In der Schule hatte ich davon nichts gelernt. Schlimmer noch, der Antifaschismus war durch die menschenverachtende Politik der kommunistischen Antifaschisten diskreditiert.

Erst durch die Erfahrungen mit der Aktion Sühnezeichen, durch Männer wie Lothar Kreyssig und Günter Särchen, auch durch Freunde in Polen, wandelte sich mein Begriff vom Antifaschismus. Das hätte 1967 fast zur Exmatrikulation von der Hochschule für Filmkunst geführt. Ich hatte in einer Studentenversammlung, an der ein Abgeordneter der Volkskammer teilnahm, eine andere Politik der DDR gegenüber Israel gefordert. Damals, nach dem Sechstagekrieg, war die antiisraelische Hetze der SED auf einem Höhepunkt. Ein glücklicher Umstand verhinderte, dass ich relegiert wurde. Von da ab begann ich systematisch mit dem Sammeln von Zeitzeugnissen, die die fanatische Israelfeindschaft der DDR belegen, eine Basis für spätere Publikationen.

Durch die Arbeit an Filmen mit jüdischer Thematik - "Flammen", "Dawids Tagebuch" und dem Korczak-Film "Ich bin klein, aber wichtig" - hatte ich nicht nur die Gelegenheit zu umfangreichen Archivstudien, sondern begegnete auch Juden und Israelis, erst schriftlich, dann persönlich, was in der DDR keineswegs selbstverständlich war. Vor allem Leon Harari aus dem Kibbuz Maale Hachamisha wurde mir ein väterlicher Freund.

Als Leon und seine Frau Geula, eine alte Berlinerin, mich Mitte der 80er zum erstenmal in Ost-Berlin besuchten, ließen die DDR-Grenzer die beiden alten Leute fast zwei Stunden lang am Check Point Charlie stehen. Sie hörten, wie einer der Grenzposten dann sagte: Jetzt haben die Juden lange genug gewartet. Sie sind dennoch zu uns gekommen. Geula hat das Grab ihrer Mutter in Weißensee besucht, und Leon hat in der Jungen Gemeinde in Pankow über Israel berichtet. Was er selbst dort an Vorurteilen zu hören bekam, hat ihn zutiefst erschüttert. Mich hat es beschämt.

Als ich nach der friedlichen Revolution politische Verantwortung übernehmen durfte und konnte, war mir die Verständigung mit Israel politischer Auftrag und Herzenssache. Ich habe bereits am Runden Tisch darauf hingewirkt. In der freien Volkskammer habe ich die Erklärung zur deutschen Schuld mitverfasst, die am Beginn unserer Arbeit als demokratische Parlamentarier gestanden hat. Sie wurde spät, aber nicht zu spät, der erste Schritt zu einem neuen Verhältnis zwischen der DDR und Israel.

 


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