Batsheva – Gaga
Die Batsheva Dance Company gastierte im September 2011 in Hamburg mit ihrer neuesten Produktion “Sadeh 21“. Ihr Ballettdirektor und Choreograf Ohad Naharin hat mit seinem „Gaga“ - Training einen ungewohnten Tanzstil entwickelt. Ihn, der die Wortbedeutung „Gaga“ = übergeschnappt, verrückt - kennt, hat der Wortklang „Gaga“ inspiriert.
Mit bisher nicht gekannten Übungseinheiten schreiten die Tänzer mit „Gaga“ in völlig neue Erlebniswelten. Unwichtig ist die Höhe der Sprünge, die Haltung in den verschiedenen Positionen – in den Übungsstudios sind die Spiegel verdeckt – die Tänzer horchen auf Anweisungen wie: Schwebe! Zittere! Sei eine Spaghetti-Nudel im kochenden Wasser! Fokussiere dich auf einen Punkt in, auf oder neben deinem Körper! Ihren Schweiß lieben sie plötzlich, mit neuer Leidenschaft entdecken die Tänzerinnen und Tänzer Bewegungen ihrer Körper. Sie bekommen eine weitere Möglichkeit, sich mit ihren geschmeidigen Körpern auseinander zu setzen. In den Tänzern erwacht ein leidenschaftliches Gefühl für die Offenheit des Bewegens nach eigenen Wünschen, ohne jedoch das Wissen über die Technik zu vergessen. Diese durch „Gaga“ entwickelte Energie durchströmt sie und überträgt sich auf die Zuschauer in einer völlig überraschenden Weise.

Performance der Batsheva Dance Company
Doch nicht nur ausgebildete Tänzer können mit der Batsheva Dance Company in Meisterklassen nach der Gaga-Methode trainieren, sondern auch Laientänzer und selbst Menschen ohne Tanzerfahrung besuchen Gaga-Klassen. Noch einen Schritt weiter ging Naharin 2003 mit „Kamuyot“ für Kinder und Jugendliche. Diese sitzen z.B. auf vier Seiten einer Turnhalle um die Tänzer herum. In Bewegung und Tanz kommt es in spaßig-witziger Weise zu einem gegenseitigen Wechselspiel zwischen beiden Gruppen. Dass um die 100 „Kamuyot“ Aufführungen nach der Gaga-Methode jährlich in das israelische Kunst-Erziehungsprogramm aufgenommen wurden, verwundert nicht.
Orientieren über die Aufführungen der Batsheva Dance Company oder über Unterricht in Gaga kann sich jeder Israel Besucher im Suzanne Dellal Center for Dance and Theater im Neve Tzedek Viertel im Süden von Tel Aviv, das 1989 eröffnet wurde. Allein die Architektur des Campus mit seinen vier Aufführungssälen und mehreren Übungsstudios sowie Restaurant und Café ist beeindruckend. Da das Zentrum der Förderung des modernen Tanzes im tanzbegeisterten Israel dient, kann man sich auch über andere Ensembles informieren, wie über das Imbal Tanztheater, die Bat-Dor Tanztruppe, das Israel Ballett, das Kibbutz Ensemble für zeitgenössischen Tanz und über Kol-Dmama.

"Bill" -Performance der Batsheva Dance Company
Doch zurück zur Batsheva Dance Company: Gegründet wurde sie 1964 von Batsheva de Rothschild (1914 London – 1999 Tel Aviv) und Martha Graham, der großen amerikanischen Tänzerin und Choreografin. 1990 wurde Ohad Naharin (geb. 1952 in Kibbutz Mizra) ihr Ballettdirektor. Er hatte in diesem Ballett 1974 seine Karriere begonnen, war 1975 nach New York zu Martha Graham gewechselt. Mit seiner Rückkehr 1990 veränderte er mit der Gaga-Technik den Stil des Ensembles grundlegend und führte es zu seiner heutigen Einmaligkeit. Darüber hinaus wurde Naharin auch mit Aufträgen für viele europäische und nord- und südamerikanische Ballettkompanien bedacht.
Peter Meves
Fotos Gadi Dagon
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