Home Links Kontakt Impressum  
40 Jahre Deutsch-Israelische Gesellschaft

-

"40 ist nicht 50, aber immerhin Anlass, mit Dankbarkeit zurück und mit Entschlossenheit nach vorn zu blicken," so Prof. Manfred Lahnstein, Präsident der DIG, in seinem Festvortrag.

Zum Auftakt des Festaktes am 21. März 2006 im Europasaal des Auswärtigen Amtes ging der Hausherr, Außenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier, auf die schwierige Zeit der Gründung der DIG im Jahr 1966 ein, ein Jahr nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Ländern. Der selbst gesetzte Auftrag "in Solidarität mit dem Staat Israel und seiner Bevölkerung zu wirken" war in der jungen Bundesrepublik ein Zeichen, "sich mit der jüngsten Geschichte auseinanderzusetzen und sich der Verantwortung für die Überlebenden des Holocaust zu stellen." Er versicherte, dass dies bis heute eine "Konstante der deutschen Außenpolitik" ist.
Außenminister Steinmeier ging auf seinen jüngsten Besuch in Israel ein und drückte seine Freude darüber aus, dass zusammen mit Botschafter Stein, die Gründung einer Stiftung, das Deutsch-israelische Zukunftsforum, ein wichtiges Projekt für die Zukunft der bilateralen Beziehungen, gelungen sei. Die Stiftung wird mit einem Gesamtkapital von etwas 25 Mio. Euro ausgestattet sein und soll kurzfristig ihre Arbeit aufnehmen. "Ziel der Stiftung ist es, der jungen Generation nicht nur die historische Dimension unserer Beziehungen, sondern vor allem deren modere Aspekte nahe zu bringen." Er dankte allen Aktiven und ehrenamtlich Tätigen für einen bedeutenden Beitrag zur Pflege der deutsch-israelischen Beziehungen.
Botschafter Shimon Stein verband seine Glückwünsche mit der Feststellung, dass er sicher sei, dass "diejenigen, die sich in der Stunde null entschieden haben, der DIG beizutreten, sich darüber im klaren waren, dass die Mitgliedschaft eine spannende, interessante, anspruchsvolle, aber über weite Strecken auch eine frustrierende Aufgabe zu sein verspricht." Die Mitgliedschaft in der DIG bedeute eine Herausforderung, die sich lohne. Botschafter Stein stellte fest, dass die Zielsetzung, Aussöhnung zwischen den Völkern als Verpflichtung zu begreifen, weiterhin aktuell ist und mit der "Notwendigkeit verbunden, die Aussöhnungsgedanken auch an die nachwachsende Generation zu vermitteln." Er bedauerte, dass das Israelbild der Deutschen leider kritisch geworden sei und stellte fest, dass Israel und Deutschland als Demokratien vor gemeinsamen Herausforderungen stünden, die nur gemeinsam bewältigt werden könnten. Er dankte der DI für "unermüdliche" Unterstützung und Partnerschaft.
Jerzy Montag MdB widmete seine Grußworte als neuer Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe, der Geschichte der DIG und hob hervor, dass es "ein dichtes Netz politischer, kultureller, wissenschaftlicher Verbindungen zwischen Deutschland und Israel" gibt.
Er erinnerte an Probst Heinrich Grüber, der als Vorsitzender der Gründungsversammlung erster Ehrenpräsident der DIG wurde und stellte fest, dass die DIG "stolz sein kann, dass Menschen wie Heinrich Grüber ihre Geburtshelfer waren." Montag ging auch auf aktuelle Diskurse ein, in denen sich unterschiedliche Meinungen zu einzelnen politischen Vorgängen zeigten. Er wünschte, dass sich die DIG daran stärker beteiligte. So könne "unverbrüchliche Freundschaft zu Israel mit einer kritischen Diskussion über eine friedliche Zukunft im Nahen Osten" verbunden werden. Der Präsidenten der DIG, Prof. Manfred Lahnstein, ging in seinem Festvortrag auf die Entwicklung der DIG ein, die mit schwierigen und komplizierten Jahren des Aufbaus der Beziehungen begannen und die sich mit dem Wirken des Gründungspräsidenten Gerhard Jahn (1966 - 1967) und dem Präsidenten Prof. Dr. Ernst Benda (1967 - 1971) und Heinz Westphal (1971 - 1977) verbinden lassen. 1967 engagierte sich die DIG nachhaltig für humanitäre Hilfe und entwickelte eine Struktur für lokale und regionale Arbeit in Arbeitsgemeinschaften.
Die Arbeit in Arbeitsgemeinschaften ist nach wie vor ein Eckpfeiler für das Wirken der DIG. Nach dem Yom Kippur Krieg von 1973 wurde auch in der DIG über "kritische Solidarität" (Ernst Benda) diskutiert. Es zeigten sich über die Frage möglicher Kritik an politischen Entscheidungen Israels Risse in der Gesellschaft. 1977 verließ eine Gruppe von Mitgliedern die DIG und gründete den DIAK. Erik Blumenfeld (1977 - 1991) stand für engere Kontakte zur 1974 gegründeten Israelisch-Deutschen Gesellschaft und förderte die Verbindungen mit den deutschsprachigen Freundschaftsgesellschaften in der Schweiz und in Österreich. 1984 wurde das Jugendforum der DIG gegründet, eine Organisation, in der die junge Generation den Dialog und die Auseinandersetzung mit Israel vorantreibt.
Auch in den Jahren einer konsolidierten Arbeit der DIG war es immer spannend. Uns beschäftigte der "Historikerstreit" des Jahres 1986; die erste "Intifada" mit ihren Konsequenzen und natürlich der erste Golfkrieg im Jahr 1991. Die DIG zeigte aufrichtige Solidarität und es fanden Besuche im Schatten der irakischen Scud-Raketen statt.
In den 90er Jahren dominierte die Vereinigung Deutschlands den Themenkatalog und Israel überwand die Skepsis gegenüber einem vereinigten Deutschland rasch. In die Amtzeit von Hans Koschnick als Präsident (1991 - 1993) fällt der Aufbau von Arbeitsgemeinschaften in den neuen Bundesländern. Der Oslo-Prozess der Jahre 1992/3 gibt auch der DIG Auftrieb mit der Perspektive eines hoffentlich nahen Friedens in der Region.
Seine eigene Amtszeit seit 1994 skizzierte Lahnstein kurz und weist auf den Niedergang des Friedensprozesses mit dem Ausbruch der "Al Aqsa Intifada" im Jahr 2000 hin. Er beleuchtet die Berichterstattung und thematisiert den (Medien-) Antisemitismus, dem Israel häufig ausgesetzt ist. Bis heute - so hält Lahnstein fest - gilt für die DIG: Unverbrüchliche Solidarität mit Israel, aber auch Beharren auf einer eigenständigen und vielseitigen Meinungsbildung. Erleichtert fügt er hinzu, dass die "notwendigen Diskussionen offen, aber auch ohne nachhaltige Spannungen geführt" worden sind. Für die Zukunft formuliert Manfred Lahnstein folgende Herausforderungen:

1. Die geostrategische Ausgangslage, in der der Nahe Osten ein zentraler Schauplatz der Weltpolitik ist.
   Der islamische Terror, der Irakkrieg und die iranischen Ambitionen nach Atomwaffen verschärfen die
   Problematik. Die Bindung Israels an den Westen (USA und Europa) muss gefestigt werden, d.h. stärkere
   Einbeziehung Israels in den Europarat, die OECD und andere wichtige Gremien.
2. Die wissenschaftliche, kulturelle, ökonomische und soziale Zusammenarbeit muss in allen Bereichen
   vertieft und ausgebaut werden.
3. Der latenten Gefahr des Antisemitismus muss offensiv entgegengetreten werden. Israel und
   Deutschland haben gemeinsame Werte zu verteidigen und sind demokratische Rechtsstaaten. Die Zivilcourage
   eines jeden Bürgers trägt zu Erhaltung und Festigung der Demokratie bei.
4. Das Bewusstsein für die geschichtliche Verantwortung muss immer wieder - in jeder jungen Generation
   von neuen - geweckt werden.

Manfred Lahnstein beendet seine Ausführungen mit dem Hinweis für die Tagesarbeit, die nur dann weiterhin erfolgreich sein kann, wenn es gelingt, Mitglieder, insbesondere jüngere Menschen zu gewinnen. Dazu gehören Wirkung in die Öffentlichkeit ebenso wie die Beobachtung der politischen Entwicklungen - "ohne Übereifer und Aufregung!" - um den israelischen Freunden zu zeigen, dass wir zu ihnen stehen. Im Anschluss an die Feierstunde gab es für die Gäste Gelegenheit zu Gesprächen und Gedankenaustausch. Die Jazz-Band des Auswärtigen Amtes rundete die Begegnung der Verantwortlichen aus den Arbeitsgemeinschaften, befreundeter Organisationen und Gästen aus der Politik ab. Hildegard Radhauer

 


Zu den Editorials

Zum Seitenanfang