Es gibt Vereine, die sind sich selbst genug. Sie haben einen fest umrissenen Mitgliederstamm, wählen in regelmäßigen Abständen einen Vorstand und haben ein wohlgeordnetes Innenleben. Ich denke da an Rotarier, Lions oder auch an Logen. Neue Mitglieder werden gerne dann aufgenommen, wenn alte ausscheiden.
Das kann und darf für die Deutsch-Israelische Gesellschaft nicht gelten. Wir sind ein politischer Verband, der das Ziel verfolgt, in der Öffentlichkeit, in die Bevölkerung hinein zu agieren, der es sich zur verpflichtenden Aufgabe gemacht hat, für Israel zu werben, Verständnis und Verständigung zu fördern und möglichst viele Freunde für dieses Land, das seit seiner Staatsgründung um seine Existenz kämpfen muss, zu gewinnen. Das ist nicht immer leicht – aber immer nötig, interessant und meistens spannend.
Gerade in schwierigen Zeiten neigen wir dazu, unsere Aktivitäten zu reduzieren. Genau das ist falsch. Unter dem Motto „A friend in need is a friend in deed“ haben wir in Berlin seit Beginn der sog. 2. Intifada unsere Angebote an Mitglieder und Interessenten erheblich gesteigert. Und im Herbst 2003 haben wir beschlossen, unsere nur langsam wachsende Mitgliederzahl durch gezielte Maßnahmen zu steigern. Ausgehend von 397 Mitgliedern im November 2003 haben wir uns das Ziel 500 gesteckt. Dabei waren wir uns der Tatsache bewusst, dass neben der üblichen Fluktuation Jahr für Jahr Mitglieder deshalb ausscheiden, weil sie wegen ihres hohen Alters nicht mehr zu Veranstaltungen kommen können – ja, auch dass die Zahl der Todesfälle wegen des hohen Alters der Gründergeneration zunimmt.
Am Anfang stand also der Beschluss: Wir wollen 500 Mitglieder haben! Unter Federführung unseres stellv. Vorsitzenden Bernhard Krane entwickelte eine Gruppe überwiegend jüngerer Mitglieder einen Flyer mit der selbstbewussten, vielleicht sogar frechen Überschrift: „Unser 500. Mitglied in Berlin feiern wir am 9. Februar 2004“ hinzugefügt haben wir, „wer jetzt eintritt, bekommt einen der wertvollen Preise, die uns von Sponsoren zur Verfügung gestellt worden sind!“ Innen haben wir zwei Seiten damit gestaltet, dass wir einerseits aufgelistet haben, welche politischen, inhaltlichen und gesellschaftlichen Gründe für eine Mitgliedschaft sprechen und andererseits, warum es sich lohnt, gerade jetzt Mitglied zu werden. Unter der Überschrift „Alle, die jetzt eintreten, erhalten ein Präsent. Am 9.2.04 verlosen wir in Ihrem Beisein folgende Preise“: von Gutscheinen für Restaurants, über Bücher, Eintrittskarten für das Jüdische Theater, CDs von unseren Benefizkonzerten bis zu einem Flug nach Israel lobten wir attraktive Preise mit Israel-Bezug aus. Angefügt war natürlich ein Beitrittsformular und schließlich gab es auch noch eine kurze Selbstdarstellung der DIG und unserer Berliner Arbeitsgemeinschaft.
Dieser ansprechend gestaltete Flyer allein konnte natürlich nicht überzeugen. Wir haben mit unseren Möglichkeiten der Hauptstadt gewuchert: Veranstaltungen mit Partnern: In Berlin gibt es mehr als 50 Gruppen, die sich mit Israel und / oder dem Judentum beschäftigen! Wir haben den Aufbau von dauerhaften Kooperationen beschlossen und initiiert. Die Zahl unserer Veranstaltungen haben wir nennenswert gesteigert und die Vielseitigkeit erheblich erweitert. Jedem potentiellen Interessenten konnten wir ein attraktives Angebot machen. Zusätzlich blieben wir mit dem Flyer in guter Erinnerung. Die Öffentlichkeitsarbeit haben wir parallel zu der großen Zahl von öffentlichen Veranstaltungen verstärkt. Unser Ziel war und ist es, die Deutsch-Israelische Gesellschaft zum ersten Ansprechpartner für alle zu machen, die sich für die politischen, wirtschaftlichen, kulturellen, wissenschaftlichen und persönlich-menschlichen Beziehungen unserer beiden Länder interessieren.
Unsere stellv. Vorsitzende Meggie Jahn aktualisiert die Website www.digberlin.de ständig so, dass oft schon am Morgen nach den Veranstaltungen Fotos und die nächsten Termine zu finden sind. Neben der Organisation von Straßenfesten, Initiativen für Straßenbenennungen und von politischen Informations- und Diskussionsveranstaltungen gab es das jährliche Sommerfest mit zahlreichen Gästen und natürlich unser traditionelles Benefizkonzert mit viel Prominenz. Alle sollten erfahren: Es gibt viele gute Gründe, bei uns mitzumachen.
Jeder, der Mitglieder gewinnen will, sollte berücksichtigen, dass Menschen nur zu Menschen kommen, die sie mögen, sympathisch oder zumindest interessant finden. Es gibt nichts Wichtigeres als den persönlichen Kontakt – auch in der Werbung. Also 1. Freunde, Bekannte ansprechen und einbeziehen, 2. Fremde persönlich ansprechen und zur Mitwirkung einladen, 3. ein Veranstaltungsangebot machen, dass nur die DIG bieten kann – spannende Themen, attraktive Redner und Teilnehmer sowie interessante Orte.
In Berlin ist manches leichter, aber auch vieles schwerer. Leichter ist es, Prominenz einzuladen – ihr Kommen hängt sehr vom persönlichen Kontakt ab, leichter ist es, viele Menschen zu erreichen und attraktive Orte zu finden. Schwerer als an allen anderen Orten ist es, in der ungezählten Fülle von Vereinen, Veranstaltern und Veranstaltungen überhaupt wahrgenommen zu werden und aufzufallen. Jeder, der will, kann in Berlin täglich unter hunderten von Veranstaltungen auswählen!
Deswegen mein wichtiger Schlusssatz: Unabhängig von der Größe der Stadt, von der Größe der Arbeitsgemeinschaft sollten wir darauf achten, der Deutsch-Israelischen Gesellschaft ein unverwechselbares Profil zu geben und mit klarer politischer Aussage und mit einem eindeutigen Bekenntnis zur deutsch-israelischen Freundschaft für Israel zu werben. „Everybody’s darling is nobody’s darling!“ Mit Wischiwaschi-Positionen gewinnen wir Nichts und Niemanden, mit klarer, erkennbarer Ansage fallen wir auf, beeindrucken wir und gewinnen Sympathien und Freunde.
Am 9. Februar 2004 haben wir in einer großzügig gesponserten Party zwar noch nicht unser 500. aber als Ergebnis einer dreimonatigen Werbekampagne im Saldo 60 neue Mitglieder, d.h. unser 457. Mitglied begrüßen können. Inzwischen haben wir unsere Arbeit auf der Grundlage unserer Erfahrungen fortgesetzt und haben nach dem Weggang von 69 Mitgliedern im Verlaufe der vergangenen 2 Jahre jetzt 505 überwiegend aktive Mitglieder. Vor wenigen Tagen haben wir gemeinsam mit unserem Jugendforum eine öffentliche Veranstaltung mit Ulrich Sahm durchgeführt. Mehr als 300 überwiegend jüngere Gäste kamen ins Centrum Judaicum! Unser nächstes Ziel ist eine Mitgliederzahl von 555…
Bernhard Krane
Jochen Feilcke