Auch heute wird das Fernsehen uns wieder Bilder von Panzern, Artillerie und Trümmern zeigen. Auch morgen wird in
den Medien wieder der irreführende Eindruck erweckt werden, als handele es sich hier um eine israelische Invasion
im Gazastreifen und im Südlibanon. Die eigentlichen Ursachen werden dann höchstens in Nebensätzen erwähnt, und
Bilder hierüber gibt es sowieso keine.
Wir müssen gegen diese Sichtweise angehen. Wir müssen deutlich an die Fakten erinnern, damit sie hinter der
Suggestion nicht verschwinden. Fakt ist:
- Israel hat den Südlibanon vor mehr als sechs Jahren verlassen. Trotzdem
werden von dort immer wieder Zwischenfälle provoziert, werden immer
wieder Raketen auf israelisches Staatsgebiet gefeuert. Urheber ist die terroristische
Hizbollah, der die Regierung in Beirut die Herrschaft im Süden ihres Landes überlassen musste.
- Israel hat den Gazastreifen vor einem Jahr verlassen. Trotzdem werden auch von dort
immer wieder Zwischenfälle provoziert, werden immer wieder Raketen nach
Israel gefeuert, bis in das Stadtzentrum von Ashdod hinein. Urheber ist
unter anderem die Hamas, an deren Willen zur Vernichtung Israels auch der
Wahlsieg in den Palästinensischen Autonomiegebieten nichts geändert hat
- Die Sicherheitskräfte Israels haben auf diese mörderischen Übergriffe
bislang maßvoll und zurückhaltend reagiert. Jetzt aber hat sich die
Situation grundlegend geändert. Drei Soldaten sind durch Hamas und
Hizbollah entführt worden.
Jeder muss wissen, schon seit Entebbe vor beinahe 30 Jahren: Israel gibt keinen seiner Bürger auf!
Das entspricht nicht nur dem Selbstverständnis des Staates, sondern der tiefen Ehrfurcht vor jedem
einzelnen Menschenleben.
Und deshalb wird man Verständnis für ein Vorgehen aufbringen müssen, das nicht nur die Befreiung der
eigenen Staatsbürger aus den Fängen der terroristischen Entführer, sondern auch ein Ende der ständigen
Raketenangriffe erreichen will. Ob es sich hier auch um Überreaktion handelt, das ist eine müßige Frage,
denn die Antwort kann nur von denen kommen, die zwischen dem Ziel der Aktionen und der Gefährdung der
eigenen Truppen abzuwägen haben. Vielleicht fragen wir stattdessen, wie es kommt, dass weder die
Hamas-Regierung noch Präsident Abbas es schaffen, die elende Entführung eines jungen israelischen
Soldaten zu beenden. Vielleicht fragen wir stattdessen, wieso die offizielle Regierung des Libanon
einen großen Teil ihres Landes weiterhin der Hizbollah - Bande überlässt. Und wenn andere diese
Fragen nicht stellen, dann müssen wir es tun.
Hoffen wir also mit ganzem Herzen auf das rasche Ende der Entführungen und auf eine Situation, in
der israelische Bürger sich nicht mehr vor Raketenangriffen fürchten müssen!
Prof. Manfred Lahnstein
Präsident
13. Juli 2006