| Viel Glück, Frau Knobloch!
Der Verlust des unvergessenen Paul Spiegel sel. A. ist noch nicht verwunden. Inzwischen aber hat der Zentralrat der Juden in Deutschland in eindrucksvoller Geschlossenheit Charlotte Knobloch zur Nachfolge bestimmt.
Ihr gelten die aufrichtigen und herzlichen Glückwünsche der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Nach meiner tiefen Überzeugung bringt Frau Knobloch alles mit, was man in diesem schweren und verantwortungsvollen Amt braucht. Die Freundin des klaren Wortes hat eine ganz ungewöhnliche Lebensgeschichte und eine gefestigte Überzeugung. Ihre Schlagfertigkeit und ihr Humor sind ebenso legendär wie ihre Zähigkeit und ihr Durchsetzungsvermögen. Dafür wird auch das neue Gemeindezentrum in München ein Zeichen setzen, das im November eröffnet werden soll. Dass es bereits heute den liebevollen Spitznamen "Charlottenburg" trägt, wird sie sicher nicht ärgern.
Der Zentralrat hat eine Person von Format in sein höchstes Amt gewählt - dazu noch eine Frau, was nach innen und außen ein klares Signal ist.
Leicht wird sie es nicht haben. Das Innenleben der jüdischen Gemeinden in Deutschland ist ungemein lebendig und nicht frei von Spannungen. Wie könnte das bei mittlerweile 110.000 Mitgliedern auch anders sein? Der Anteil der ausgesprochenen Individualisten dort ist hoch, und die einzelnen Gemeinden leben ihre Autonomie voll aus. Da wird Charlotte Knobloch ihre ganze Energie und Integrationskraft einsetzen müssen. Zudem bleiben die sozialen Probleme vieler Jüdinnen und Juden aus der ehemaligen Sowjetunion schwerwiegend, ja zuweilen erdrückend.
Ich erinnere mich dankbar an ihre lebhafte Zustimmung, als ich in München bei einer Lesung die Zuhörer aufforderte, im jüdischen Nachbarn nicht immer nur den "Besonderen" zu sehen, sondern eben den ganz normalen Nachbarn. Deshalb wage ich eine Bitte an die neue Präsidentin des Zentralrats: Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass die jüdischen Gemeinden in Deutschland sich weit mehr als bisher in die Gesellschaft hinein öffnen. Diese Gemeinden brauchen sich nicht zu verstecken; sie haben uns allen viel zu bieten!
Liebe Frau Knobloch,
ich grüße Sie in Zuneigung und verlässlicher Solidarität. Wann immer es gilt, gegen Antisemitismus, Fremdenhass und Intoleranz anzutreten, werden wir das gemeinsam tun. Viel, viel Glück und Erfolg!
Prof. Manfred Lahnstein
Präsident
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