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"Das lenkbare Luftschiff" -

Philosophische Erzählungen Theodor Herzls neu ediert Bekannt ist Theodor Herzl auch heute noch als der Verfasser des "Judenstaats" und als einer der maßgeblichen Mitbegründer des Zionismus, der jüdischen Bewegung, die bekanntlich 1948 zur Gründung des Staates Israel führte. Neben dem Aktivisten und Politiker ist der belletristische Schriftsteller Herzl jedoch weitgehend in Vergessenheit geraten, und das, obwohl doch gerade seine zahlreichen "philosophischen" Erzählungen noch heute lesenswert sind, spannend, tiefgründig, humorvoll, der belesenen Humanität gewidmet und obendrein auch eine Fülle von Hinweisen auf die politische Utopie enthaltend, derer sich Herzl verpflichtet sah.
Neben einem Roman, einigen Theaterstücken und einem Tagebuch gehören immerhin 300 Feuilletons zur Hinterlassenschaft des vielseitigen Mannes mit der "jüdischen Weltsicht". Sie wurden hauptsächlich für die Wiener "Neue Freie Presse" geschrieben. Ihr Thema: Was bewegt die Menschen, sich gesellschaftlich einzusetzen, etwas zu leisten, was bedeutet ihnen Kunst und Wissenschaft, wie gehen sie mit Neid, Verzweiflung und ihrem allzu menschlichen Streben um, ihr - nicht immer glanzvolles, nicht stets sorgenfreies - Leben zu meistern? Man stellt beim Lesen fest: Herzl ist ein guter Beobachter, aber auch einer, der sich nicht scheut, Partei für Figuren aus seinen Geschichten zu ergreifen oder sie in einen dunklen Lichtschein zu stellen, wenn ihm dies nötig erscheint.
Die im Speyerer Lösch Verlag nun neu editierte Sammlung philosophischer Erzählungen enthält 17 der besten Geschichten in einer der modernen Rechtschreibung angepassten Auswahl mit anhängenden Worterläuterungen. Eine Zeittafel und ein von Herzl selbst verfasster autobiographischer Bericht ergänzen das nachdenkliche, stellenweise aber auch Schmunzeln machende Buch, das sich zwar immer wieder auch tiefgründig, jedoch nicht formal "überzeichnet" auch einem "Alltagsleser" durchaus als fruchtbringende Lektüre empfiehlt.
Den Titel hat das fast 200-seitige Werk von einer der enthaltenen Erzählungen. Herzl schrieb sie, weil er nach dem Erscheinen des "Judenstaats" im Jahr 1896 verspottet wurde, er habe mit seinem Plädoyer für die Gründung eines eigenen israelischen Staates gleichermaßen auch das "lenkbare Luftschiff" erfunden. Wie wir wissen, fehlte es nicht Herzl an genügend Imaginationskraft, sondern den Spöttern.
Verleger Joachim Lösch geht mit der Herausgabe dieses Bandes, gedruckt im "book-on-demand"-Verfahren, neue Wege, will er doch mit seiner Publikationsreihe persönliches Engagement u.a. mit dem Anspruch verbinden, Autoren der Vergessenheit zu entreißen, die Verfolgte des Nazi-Regimes waren.
Das vorliegende Buch mit einem weniger bekannten Foto Herzls auf dem Umschlag enthält wunderbare Geschichten, deren philosophischer Gehalt tatsächlich auch heute noch Bedeutung hat. Ausgesprochen lesenswert sind z.B. die heroisch-anrührende Tragödienprosa "Solon in Lydien" aus dem Jahre 1900, Herzls "Pygmalion" von 1887, in der einige "spenden würden" für die "Exekutionskosten" eines gewissen Hochstaplers Spangelberg, oder auch die herzhafte Geschichte "Mumbo" (1889), die zeigt, "wie die Spaßmacher lieben und wie sie sich an den ernsthaften Leuten rächen". Man darf auf weitere Bände aus dem Lösch Verlag gespannt sein.

Klaus Haag

Theodor Herzl, "Das lenkbare Luftschiff. Philosophische Erzählungen ", Lösch Verlag Speyer 2004, 196 Seiten, 17,50 EURO, ISBN 3-930122-14-6

 


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