| Schicksale Speyerer Juden
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In seinem 308 Seiten starken Buch bietet Johannes Bruno
nach einigen Bemerkungen zur jüdischen Gemeinde im mittelalterlichen
Speyer eine Übersicht über die wichtigsten Ereignisse der Speyerer
jüdischen Gemeinde 1804 . 1999. Diese Zeittafel stellt die Hintergrundinformation
um Hauptteil, den Portraits von 16 Männern und einer Frau dar, die im 19. und 20.
Jahrhundert in Speyer lebten und wirkten. Zwischen den historischen Vorspann und
die Biographien ist die Darstellung und Erläuterung des Mahnmahls des Speyerer
Künstlers Wolf Spitzer auf dem Gelände der neuzeitlichen Synagoge eingefügt.
Den 17 ausführlichen Lebensbeschreibungen folgen acht kürzere von
Personen, die das städtische Leben ebenfalls prägten, über die jedoch die vor
Brunos Buch vorhandenen Veröffentlichungen kaum Auskunft geben. Dem Nachwort
des Verfassers folgen eine Auswahlbibliographie, ein Glossar zur jüdischen
Religion und Geschichte sowie mehrere Namenslisten: die im Ersten Weltkrieg
gefallenen Speyerer Juden (mit militärischem Rang, Geburts. und Todesdatum),
die 1940 nach Gurs und 1942 nach Theresienstadt deportierten Speyerer Juden
(mit Geburtsdatum und letzter Adresse) und . nach einem Artikel über den
Speyerer Judenfriedhof . eine Liste der dort bestatteten Personen
(mit Geburts. und Todesdatum sowie dem Grabplatz).
Der Hauptteil des Buches, die Portraits, umfassen . dem Titel
entsprechend . das 19. und 20. Jh. und reichen mit der Person
Berthold Böttigheimers, der die NS.Zeit in verschiedenen Speyerer Familien
versteckt überlebte, bis in das Jahr 1980. Bruno erzählt, er schreibt nicht
für Wissenschaftler. Seine Sprache ist flüssig, reich an Bildern und sehr
angenehm zu lesen; auch wer vielleicht nur nachschlagen will, wird zum
Weiterlesen verführt. Vor den Augen des Lesers entsteht ein lebendiges Bild
der neuzeitlichen jüdischen Gemeinde, ihrer Mitglieder und deren Rolle in der
Speyerer Gesellschaft, die einerseits als typisch für deutsche Kleinstädte in
diesen beiden Jahrhunderten aufgefasst werden kann, andererseits Anteil
nehmen lässt am Schicksal gerade dieser Menschen. Ausgestattet ist Brunos
Buch mit 27 Schwarzweißabbildungen, von denen etwa die Hälfte noch nie oder
nur an entlegener Stelle veröffentlicht worden sind.
Bedauerlich ist, dass der Autor so gut wie keine Quellenangaben bietet, erst
recht, da gleichwohl Kontakte zu noch lebenden Nachkommen mancher beschriebener
Persönlichkeiten erkennbar sind. Für Speyer und die an seiner jüdischen
Geschichte interessierten Leser ist Brunos Buch umso wertvoller, als seit
Anfang der 80er Jahre keine zusammenfassende Darstellung der inzwischen
erheblich gewachsenen Erkenntnisse über die Geschichte der mittelalterlichen
und der neuzeitlichen Gemeinde auf die Beine gestellt werden konnte.
L. Möller
Johannes Bruno: Schicksale Speyerer Juden 1800 bis 1980,
Schriftenreihe der Stadt Speyer, Bd. XI 1, Speyer 2000
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